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Schwarzer Edelkäfer - Gnorimus variabilis (LINNAEUS, 1758)
Artenprofil von Axel Steiner
Letzte Änderung: 18.01.2015


Systematische Einordnung

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Überfamilie: Scarabaeoidae
Familie: Blatthornkäfer (Scarabaeidae)
Unterfamilie: Trichiinae

Synonym:

Gnorimus octopunctatus

Fotos (© Fredi Kasparek)
Herten (Schloßpark)


(xxl-Foto)
12.07.2014

(xxl-Foto)
08.07.2016

(xxl-Foto)
08.07.2016
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich
     
Besondere Merkmale

Insekten-ABC, Erklärungen von Fachbegriffen



Gnorimus variabilis (Foto: © Fredi Kasparek, Herten, 12.07.2014, xxl-Foto)

schwach gewölbter schwarzer Körper; Flügeldecken ohne deutlichen Rippen und glänzend; Hinterwinkel des Halsschild meist mit kleinem, hellen punktförmigen Fleck; Flügeldecken mit mehreren hellen Punktflecken (die Ausdehnung der Flecken ist sehr variabel = Artname variabilis); Sporn an der Innenseite der Vorderschenkel steht an der Spitze; Hinterhüften genähert; Halsschild schmäler als die Flügeldecken; 1. Glied der Vordertarsen einfach; Oberseite unbehaart; Unterseite behaart; Vorderschiene mit einem Enddorn

Männchen: Mittelschiene des Männchen eingeknickt und gegen die Spitze etwas verbreitert; Körperende am abschüssigen Teil mit 2 schwachen Beulen

Weibchen: Körperende am abschüssigen Teil mit 2 starken Beulen

Körperlänge: Adulte Käfer: 17-22 mm; Larve: bis 30 mm

Larve: "Die Larve ähnelt ganz der Abbildung auf Tafel 77, Bild 3a der »Fauna Germanica« von Reitter. Die Farbe ist elfenbein-weiß, der Kopf rostbraun mit schwärzlichen Oberkiefern,die einzelnen Leibesringe sind undicht mit rostbraunen längeren und kürzeren Borsten besetzt; Stigmen sind 9 an jeder Seite, wovon das erste Paar nahe dem Kopf, die nächsten durch 2 stigmenlose Segmente getrennt vorhanden sind, was auch an der zitierten Abbildung gut erkennbar ist. Die Länge einer ausgewachsenen Larve ist 30 mm" (KONSCHEGG, 1930).

Puppe: "Auch die Puppe ähnelt der Abbildung 3b im vorher zitierten Werk, nur ist dieselbe nicht so bunt, sondern am Vorderkörper dunkel-, rückwärts lichtbraun" (KONSCHEGG, 1930).

Eier: "Die Eier sind gelbbraun, fast kugelförmig, d. h. nur etwas in die Länge gezogen und haben knapp 2 mm Längsdurchmesser, 1,8 mm Querdurchmesser" (KONSCHEGG, 1930).


Ähnliche Arten:
Grüner Edelscharrkäfer/Variabler Edelkäfer (Gnorimus nobilis): Die verwandte Art Gnorimus nobilis ist leicht anhand der grünmetallisch gefärbten Flügeldecken unterscheidbar. Außerdem fehlen die weißen Punktflecken und die Form des Halsschild-Seitenrandes ist bei Gnorimus nobilis einfach abgerundet und nicht seitlich schwach s-förmig abgerundet, wie es bei Gnorimus variabilis der Fall ist.

Verschiedene Rosenkäfer-Arten zeigen deutliche Grünfärbung!

Lebensraum



Gnorimus variabilis (Foto: © Fredi Kasparek, Herten, 12.07.2014, xxl-Foto)

Der hier gezeigte Käfer wurde am 12.07.2014 von Herrn Kasparek im Hertener Schloßpark an einer mächtigen knorrigen alten Ess-Kastanie (Castanea sativa) von ca. 3 m Länge und 0,8 m Durchmesser aufgefunden. Der Stamm liegt bereits seit mehreren Jahren im Gras am Rande eines alten Laubbaumbestandes (Eichen, Buchen und Kastanien) mit hohem Totholzanteil.
Wälder mit alten Baumbeständen stellen auch den Lebensraum des Schwarzen Edelkäfers dar.

Biologie und Lebensweise
Die Käfer sind insbesondere am Sommeranfang (Mai/Juni bis Juli/August) an Stämmen anbrüchiger Laubbäume und dabei besonders an Eichen an ihren Brutbäumen im Umkreis von Mulmhöhlen zu finden. Seltener trifft man ihn auch auf Blüten an.
Hinter den Schultern ausgeschnittene Deckflügel ermöglichen es dem Schwarzen Edelkäfer mit geschlossenen Flügeln zu fliegen.
Im Mulm hohler Bäume oder liegender morscher Baumstämme entwickelt sich die Käferlarve wohl meist in 2 Jahren. In Abhängigkeit von der Höhenlage kann sich die Entwicklung aber auch bis auf drei, seltener vier und sogar auf noch mehr Jahre hinauszögern (FREISTAAT THÜRINGEN, 2015).
Die Larve verpuppt sich in einem Kokon, der aus Kot und Mulm geformt wird.



Einige Pseudoskorpion-Arten kneifen sich an Käfern oder anderen Insekten fest und lassen sich auf diese Weise in andere Habitate transportieren. Wenn ein Tier ein anderes Tier als Transportmittel zu seiner Ortsveränderung benutzt spricht man auch von Phoresie. Die Behinderung des deutlich größeren Käfers hält sich in diesem Fall wohl sehr in Grenzen.



Pseudoskorpion (vermutl. ein Vertreter der Familie Chernetidae) als blinder Passagier
(Foto: © Fredi Kasparek, Herten, 12.07.2014, xxl-Fotos bei Fotoklick)



Hier hat sich ein Pseudoskorpion an eine Waffenfliege (Sargus bipunctatus) als Transportmittel angedockt.
(Foto: © Axel Steiner, Hagen, 05.10.2005, xxl-Foto bei Fotoklick)

Nahrung
Adulte Gnorimus variabilis finden ihre Nahrung auf Blüten und an ausfließendem Baumsaft.
Die Larven ernähren sich vom Mulm verschiedener Baumarten. Neben Eichen, Erlen, Kastanien, Weiden und anderen Laubgehölzen kommen auch vermorschte Kiefernstöcke als Kinderstube in Frage.

Verbreitung in D/Welt
Die Art kommt in Mittel- und Südeuropa, dem südlichen Nordeuropa und Kleinasien vor. In Skandinavien (mit Ausnahme Südschwedens), Russland und auf den Mittelmeerinseln fehlt der Schwarze Edelkäfer. REITTER (1909) beschrieb Gnorimus variabilis als überall verbreitet, aber selten. Auch HARDE & SEVERA (2014) geben an, dass die Art in Mitteleuropa nur sehr sporadisch auftritt und vor allem im Westen und Norden sehr selten ist.



Gnorimus variabilis (Foto: © Fredi Kasparek, Herten, 12.07.2014, xxl-Foto)

In Deutschland liegen aus fast allen Bundesländern neuere Funde vor. Mit Ausnahme von Bayern, dem Saarland und Schleswig-Holstein kommt die Art in allen Flächen-Bundesländern vor. Der Schwarze Edelkäfer tritt aber nur sporadisch und selten auf und wird in der Roten Liste der Bedrohten Käferarten Deutschlands mit dem Status 1 = "vom Aussterben bedroht" geführt (GEISER, 1998).

Verbreitung in NRW
In Westfalen war die Art im 19. Jahrhundert weit verbreitet und wohl nicht selten. Aus dem 20. Jahrhundert liegen jedoch nur noch wenige Funde vor (KASPAREK, 2014).



Gnorimus variabilis (Foto: © Fredi Kasparek, Herten, 12.07.2014, xxl-Foto)

"In Nordrhein-Westfalen konnten nach 1990 noch 6 Vorkommen des Veränderlichen Edelscharrkäfers im Niederrheinischen Tiefland (Kreise Wesel, Kleve, Neuss) sowie im Kreis Höxter bestätigt werden. In geeigneten Lebensräumen ist vor allem im Niederrheinischen Tiefland, in der Kölner Bucht sowie im Weserbergland mit Wiederfunden der Art zu rechnen. (LANUV NRW, 2015)"

Benutzte Literatur
FREISTAAT THÜRINGEN (Abruf der Website am 16.01.2015): Veränderlicher Edelscharrkäfer Gnorimus variabilis (LINNAEUS, 1758). Artensteckbriefe Thüringen 2009

GEISER, R. (1998): Rote Liste der Käfer (Coleoptera). In: BUNDESAMT FÜR NATURSCHUTZ (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands. Schriftenreihe für Landschaftspflege und Naturschutz 55, S. 168230.

HARDE, K. W. & F. SEVERA (2014): Der Kosmos Käferführer. Die Käfer Mitteleuropas. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. 352 S.

KASPAREK, F. (2014): Neuer Nachweis des Blatthornkäfers Gnorimus variabilis (L., 1758) in Westfalen (Ins. Coleoptera). Natur und Heimat, 74. Jahrg., Heft 4, 2014. S. 152f

KONSCHEGG, V. (1930): Über die Zucht von Gnorimus variabilis L. Wiener Entomologische Zeitung, 47. Band, 1. Heft

Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV NRW): Geschützte Arten in Nordrhein-Westfalen: Veränderlicher Edelscharrkäfer (Gnorimus variabilis (Linnaeus, 1758)) (Seitenabruf: 18.01.2015)

REIBNITZ, J. (2009): Internet: Die Käfer-Fauna Südwestdeutschlands - ARGE SWD Koleopterologen: Blatthornkäfer Gnorimus variabilis (Linnaeus, 1758), Variabler Edel-Scharrkäfer

REITTER, E. (1909): FAUNA GERMANICA. Die Käfer des Deutschen Reiches. II. Band. K. G. Lutz' Verlag Stuttgart. 392 S. und 40 Farbtafeln

Wikipedia: Grüner Edelscharrkäfer (Gnorimus nobilis)


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Weitere Informationen zu Käfern (Coleoptera) im Internet

AG Rheinischer Koleopterologen (www.koleopterologie.de): Die Seite zum Thema Käfer. Links, Veröffentlichungen, Termine, Fotogalerie


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