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Weinbergschnecke - Helix pomatia LINNAEUS, 1758
Artenprofil von Axel Steiner


Systematische Einordnung

Stamm: Weichtiere (Mollusca)
Klasse: Schnecken (Gastropoda)
Ordnung: Lungenschnecken (Pulmonata)
Unterordnung Landlungenschnecken (Stylommatophora)
Familie: Echte Schnirkelschnecken (Helicidae)

Fotos (© Axel Steiner (1-5), Reiner Büdenbender (6))
Breckerfeld (1-5), Ennepetal (6)


(xxl-Foto)
14.06.2009

(xxl-Foto)
14.06.2009

(xxl-Foto)
14.06.2009
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich

(xxl-Foto)
14.06.2009

(xxl-Foto)
14.06.2009

(xxl-Foto)
06.02.2009
Besondere Merkmale



Ausfahren der Fühler bei der Weinbergschnecke (xxl-Foto)

kugelig mit stumpf kegeligem Gewinde; unregelmäßig stumpf rippenstreifig mit feinen Spirallinien; hellgrau oder strohgelb bis hellbraun mit dunkleren meist ziemlich verwaschenen Bändern; Mundsaum schwach erweitert und abgestumpft; innen mit flacher weißer oder rötlicher Lippe;



Öffnung des Weinbergschneckengehäuses mit Atemhöhle (xxl-Foto)

der Nabel ist von der Spindel mehr oder weniger bedeckt und oft nur ein kleiner Spalt; meist 5 Gehäuseumgänge



Gehäuse der Weinbergschnecke (xxl-Foto)

Körperlänge: größter Durchmesser 30-50 mm

Lebensraum



Seitenansicht der Weinbergschnecke mit den 5 Gehäuseumläufen (xxl-Foto)

Die wärmeliebende Weinbergschnecke besiedelt lichte Wälder, Gebüsche und Hecken mit kalkhaltigen Böden. Dabei werden sowohl zu trockene Hänge ohne Pflanzendeckung, als auch schattig-feuchte Wälder gemieden.

Biologie und Lebensweise
Weinbergschnecken gleiten auf einem aus der Sohlendrüse abgesonderten Schleimband über den Untergrund. Die Längs- und Quermuskeln werden bei der Fortbewegung abwechselnd kontrahiert und erzeugen eine wellenförmige Sohlenbewegung, die das Tier vorwärts schieben.



Fuß der Weinbergschnecke bei der Fortbewegung (xxl-Foto)

Erst nach 2-5 Jahren sind die Tiere geschlechtsreif und ausgewachsen. Die Tiere können sehr alt werden (in der Natur 5-8 Jahre). Es sind schon gekennzeichnete Weinbergschnecken in Gefangenschaft über einen Zeitraum von 35 Jahre beobachtet worden.
Die Lebensjahre lassen sich am Mundsaum abzählen, an dem jedes Jahr eine dünne Kalkschicht angelagert wird.




Liebesspiel der Weinbergschnecken (xxl-Foto)

Die Fortpflanzungszeit beginnt nach dem Winterschlaf, findet insbesondere in den feuchten Tagen des Mai und Juni statt und reicht bis in den Juli. Die Zwitter begatten sich gegenseitig, wobei eine fadenförmige Spermatophore übertragen wird. Zur Stimulation dienen sogenannte Liebespfeile, die dem Partner in die Seite gebohrt werden. Dazu richten sich die Tiere Sohle an Sohle auf und jede Schnecke läßt einen kalkigen dolchartigen "Liebespfeil", aus einer Art Köcher hervorschnellen und bohrt ihn in den Körper des Partners.
In einer selbstgegrabenen etwa 4 cm tiefen Legehöhle werden dann nach einiger Zeit 40-60 kugelige, ledrig-weichhäutige-kalkschalige Eier abgelegt. Die befruchteten Eier sind wie bei fast allen Landlungenschnecken sehr dotterreich. Nach 25-27 Tagen schlüpfen die Jungtiere, die zunächst zarte und durchsichtige Gehäuse haben.

Ab August speichern die Schnecken Kalk um zum Winter hin ihren schützenden Winterdeckel bilden zu können. Die Tiere graben sich, wenn eine gewisse Tageslichtlänge unterschritten wird bis zu 30 cm tief im Boden ein und der Mantelwulst scheidet einen flüssigen Kalkbrei aus, der schnell zu einem Deckel erstarrt und das Tier den Winter über, während des Winterschlafs, vor Austrocknung schützt.

Insbesondere in Frankreich wird die Weinbergschnecke gerne gegessen. Oft werden die Tiere noch der freien Natur entnommen. Es gibt jedoch auch in Deutschland bereits Weinbergschneckenfarmen, in denen Weinbergschnecken im großen Massstab gezüchtet werden:
Deutsche Schneckenzucht Nersingen (Bayern)
Grafschafter Weinbergschneckenzucht (Nordrhein-Westfalen)

Zu den natürlichen Feinden gehören, Igel, Spitzmäuse und Drosseln.

Nahrung



"Gesicht" der Weinbergschnecke (xxl-Foto)

Weinbergschnecken sind reine Pflanzenfresser. Bei der Suche nach Nahrung orientiert sich die Weinbergschnecke mit Hilfe ihrer Fühler. Mit den großen Fühlern, die sie suchend umher schwenkt, verschafft sich ie Schnecke ein möglichst großes Sichtfeld. Dank Sinneszellen, besonders an den beiden kleinen Fühlern, die gegen dem Boden gerichtet werden, können Geruchsspuren, die auf Nahrung hindeuten, verfolgt werden. Geschmacksrezeptoren auf den Lippen dienen der Schnecke vor allem zur Untersuchung möglicher Nahrung in nächster Nähe ( www.weichtiere.at).
Meist werden frische Pflanzen gefressen, wobei kaum Pflanzenarten verschmäht werden und keine besondere Vorlieben feststellbar sind. Oft wird welke Nahrung frischen grünen Pflanzenteilen vorgezogen. Zum Füttern in Gefangenschaft hat sich u. a. Kopfsalat bewährt.

Verbreitung in D/Welt
Verbreitet in Südost- und Mitteleuropa, nördlich bis Südschweden, westlich bis Südengland, östlich bis Polen, Estland und Weißrußland.
In Nordwest-Deutschland insbesondere auf Kalkböden aber auch außerhalb von Kalkgebieten zerstreut verbreitet (SCHLÜPMANN, 2001).
Verbreitung in NRW
In NRW ist die Weinbergschnecke in ihrem Bestand gefährdet, wobei bei dieser Art auch das Absammeln eine Rolle spielt (SCHLÜPMANN, 2001).

Benutzte Literatur

FECHTER, R. & G. FALKNER (1989): Weichtiere. Mosaik Verlag GmbH, München. 287 S.

GRZIMEK, B. (1979): Grzimeks Tierleben - Enzyklopädie die Tierreichs. Band 3: Weichtiere, Stachelhäuter. dtv - Deutscher Taschenbuch Verlag. S. 546.

SCHLÜPMANN, M. (2001): Mollusken in einigen Untersuchungsgebieten des nordwestlichen Sauerlandes (Westfalen) und der Niederrheinischen Bucht. Teil II: Kommentierte Artenliste. Decheniana (Bonn) 154, S. 37-49.

STICHMANN, W. & E. KRETZSCHMAR (2005): Der große Kosmos-Naturführer "Tiere und Pflanzen". Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. 897 S.

Internet: www.weichtiere.at: Artenprofil Weinbergschnecke

Zur Buchliste weiterer interessanter Weichtier-Bücher auf www.natur-in-nrw.de

Weitere Informationen zu Weichtieren (Mollusca) im Internet

Arbeitskreis Mollusken NRW: Fotos, Infos, Kontakte, Links, Kartieranleitungen, Artenliste