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Kernbeißer - Coccothraustes coccothraustes (LINNAEUS, 1758)
Artenprofil von Axel Steiner
Letzte Änderung: 10.03.2013


Systematische Einordnung

Stamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Familie: Finken (Fringillidae)

Fotos (© Axel Steiner)
Breckerfeld


(xxl-Foto)
09.02.2012

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07.02.2012

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07.02.2012
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich

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07.02.2012

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09.02.2012
Besondere Merkmale

Namenskunde: Im wissenschaftlichen Artnamen findet sich das griechische kokkos = Kern und thrauein = brechen/zertrümmern. (engl.= Hawfinch)



Kernbeißer, 07.02.2012, Breckerfeld (Foto © Axel Steiner, xxl-Foto)

Großer, kompakter und großköpfiger ("Stiernacken") Finkenvogel; konischer, dreieckiger, extrem großer und kräftiger Schnabel; Schnabel im Winter hell gelbbraun und im Frühjahr/Sommer bleigrau gefärbt; kurzer Schwanz; Gefieder überwiegend rostbraun und beige mit schwarzen, weißen und grauen Zeichnungen; Schwungfedern metallisch glänzend blauschwarz; mit schwarzem Kinnfleck; grauer Nacken; Bauch beige

Männchen: zimtbraun an Oberkopf und Kopfseiten; mit schwärzeren Schwungfedern

Weibchen: schwächer ("verwaschener") gefärbt; grau auf den Armschwingen und Außenfahnen der Handschwingen

Jungvögel: mit beiger (gräulich-gelb), quer dunkel gefleckter Brust und schwächerer Gesichtszeichnung; anstatt schwarzem einen weißen Kinnfleck

Flugbild: wellenförmiger Flug; weiße Zeichnung auf Flügeln (breite weiße Flügelstreifen) und Schwanzspitze (breite weiße Spitzen) erkennbar



Kernbeißer, 07.02.2012, Breckerfeld (Foto © Axel Steiner, xxl-Foto)

Das komplette Federkleid des Kernbeißers können Sie sich hier anschauen: www.vogelfedern.de

Körperlänge: 16,5-18 cm, Spannweite: 29-33 cm, Flügellänge: 9,7-11 cm; Gewicht: (46-)51-70(-72) g

Gesang/Ruf: Der Kernbeißer ruft sehr hart und knackend "pix!". Neben diesem Ruf, den Sie sich hier anhören können: www.vogelwarte.ch - Vögel der Schweiz, singt er eher unscheinbar in Form einer leisen Serie hoher, unsauberer Töne.

Ähnliche Arten: Der Kernbeißer ist unverwechselbar!

Lebensraum
Kernbeißer leben in Laub- und Mischwäldern, lichten Auwäldern, Feldgehölzen, Parks, Friedhöfe und Gärten. Sie sind oft nur im Winter an den Vogelfütterungen zu sehen, da sie den Rest des Jahres sehr scheu in den Baumkronen verbringen. Größere Verbreitungslücken gibt es in baumarmen landwirtschaftlich genutzten Gebieten oder in großen Fichtenwäldern.



Kernbeißer, 09.02.2012, Breckerfeld (Foto © Axel Steiner, xxl-Foto)

Biologie und Lebensweise
Ende April/Anfang Mai wird mit der einen Jahresbrut (gelegentlich auch 2) begonnen. Zum Balzritual gehören Schnäbeln, Balzfüttern durch Hervorwürgen von Nahrung und Balzflüge.



Kernbeißer, 07.02.2012, Breckerfeld (Foto © Axel Steiner, xxl-Foto)

Nest: Das Nest wird meist nahe am Stamm oder in einer Astgabel hoch (meist über 10 m hoch) auf Laubbäumen angelegt. Als Nistbäume werden Pappeln, Vogelkirschen, Buchen, Birken oder Obstbäume mit einer guten Anflugmöglichkeit bevorzugt.
Das große, locker gebaute Nest besitzt eine Unterlage aus verästelten Zweigen und eine Auflage aus festen Halmen und Wurzeln. Die etwa 65-105 mm breite und 15-50 mm tiefe Nestmulde ist meist oval.

Eier: Legebeginn meist ab Ende April; (2-)3-6(-7) hellblaue/gräulichgrüne, selten blass rostbraun oder grau gefärbt Eier; sparsam und gleichmäßig mit schwarzbraunen Punkten und Schnörkeln verziert; glatte Eischale; schwach glänzend; spindelförmig; 24,4 x 17,5 mm groß; Eigewicht etwa 4 g

Brutdauer/Brutpflege: 11-13 Tage; das Weibchen brütet und wird vom Männchen gefüttert

Nestlingsdauer: 11-13 Tage werden die Jungen von beiden Elterntieren gefüttert. Raupen werden im Schnabel und Samen im Kropf transportiert.

Mit erreichen des 1. Lebensjahres werden Kernbeißer geschlechtsreif, das älteste gefundene beringte Exemplar wurde 12 JAhre und 7 Monate alt. Die Generationslänge beträgt jedoch durchschnittlich nur 3,3 Jahre.



Drohender Kernbeißer, 07.02.2012, Breckerfeld (Foto © Axel Steiner, xxl-Foto)

Nahrung
Kernbeißer können mit ihren extrem kräftigen Schnäbeln harte Kerne, wie Pflaumen- oder Kirschkerne knacken. Sein Schnabel kann eine Druckkraft von bis zu 50 kg·m/s² (= Newton) ausüben! In mediterranen Gebieten gehören sogar Olivenkerne zu ihrem Nahrungsspektrum. Hierzulande ernähren sie sich von Kirschkernen, den harten Nüsschen der Hainbuche, Kornelkirschen, Schlehenbeeren, Samen von Buche, Ahorn, Ulmen, Eiben, aber auch Knospen, frischen Blättern, Nadeln und Insekten (gerne Maikäfer) bzw. ihre Larven (u. a. Raupen von in der Forstwirtschaft gefürchteten Eichenwicklern und Frostspannern). Im Winter besuchen sie Futterhäuser in Gärten und fressen Sonnenblumenkerne. Im Sommer sind sie bei Obstbaumbesitzern weniger gern gesehene Gäste, da sie aus reifen Kirschen die Kerne herausholen und knacken.

   

Kernbeißer am Futterhaus, 22.02.2013, Dortmund (Fotos © Michael Wiczoreck, xxl-Foto 1, xxl-Foto 2)

Verbreitung in D/Welt
Kernbeißer sind in der nördlichen, gemäßigten und mediterranen Zone zu finden, wobei das Verbreitungsgebiet von England über Spanien bis nach Japan reicht. Sie sind bei uns Standvögel und verbringen das ganze Jahr in unseren Breiten. Aus nördlicheren Gebieten kommen im Winter weitere Kernbeißer zu uns. Dann kommt es gelegentlich zur Bildung von Trupps, die auf der Nahrungssuche umherziehen.

         

Kernbeißer, 22.02.2013, Breckerfeld (Fotos © Axel Steiner, xxl-Fotos per Klick auf die Bilder!)

In Deutschland sind Kernbeißer flächig verbreitete, häufige Brut- und Jahresvögel, die jedoch auch regional spärlich und nur unregelmäßig vorkommen können. Die Bestände schwanken in Abhängigkeit vom Nahrungsangebot und liegen in Deutschland etwa zwischen 160.000 und 350.000 Brutpaaren. Aufgrund der versteckten Lebensweise (leise Gesänge und Brut- und Nahrungshabitat können abweichen) in den Baumwipfeln sind genaue Zählungen allerdings schwierig.

Weltweite Verbreitungskarte des Kernbeißers bei Avibase

Verbreitung in NRW
Verbreitungsschwerpunkte in NRW sind die Eifel und das Bergische Land. Über das Rheinland in Richtung Niederlande nimmt die Anzahl der Brutpaare deutlich ab. In der Köln-Aachener Bucht, dem Schwalm-Nette-Gebiet und am Unteren Niederrhein kommen Kernbeißer nur sporadisch vor. Im Rheinland wird der Brutbestand auf 5.000 bis 9500 Brutpaare geschätzt. Im Hagener Gebiet wird im Durchschnitt von einem Brutpaar pro km² (bei Schwankungen von 0 bis 4,5 BP) ausgegangen. Allgemein wird in NRW eher von einer positiven Bestandsentwicklung ausgegangen. Eine aktuelle Gefährdung der Kernbeißer-Bestände liegt somit nicht vor.

Benutzte Literatur
ARBEITSGEMEINSCHAFT AVIFAUNA HAGEN (2009): Die Brutvögel Hagens. 1997-2008. - Hagen (Biologische Station Umweltzentrum Hagen e. V.)

BAUER, H.-G.; E. BEZZEL; W. FIEDLER (2012): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Einbändige Sonderausgabe. AULA-Verlag, Wiebelsheim. 808 + 622 S.

FÜNFSTÜCK, H.-J.; A. EBERT & I. WEIß (2010): Taschenlexikon der Vögel Deutschlands. Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim. 686 S.

JONSSON, L. (2010): Die Vögel Europas und des Mittelmeerraumes. 3. unveränderte Neuauflage, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. 559 S.

LIMBRUNNER, A; E. BEZZEL; K. RICHARZ & D. SINGER (2001/2007): Enzyklopädie der Brutvögel Europas. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. Einbändige Sonderausgabe des 2001 erschienenen Doppelbandes. 860 S.

RHEINWALD, G. & M. SCHMITZ (2007): Vögel zwischen Rhein und Weser. So wird Vogelbeobachtung zum Erlebnis. Ginster-Verlag, St. Katharinen, 344 S.

SVENSSON, L. (2011): Der Kosmos Vogelführer - Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. 2. Aufl. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart

WINK, M.; C. DIETZEN & B. GIEßING (2005): Die Vögel des Rheinlandes. Ein Atlas der Brut und Wintervogelverbreitung 1990-2000. Beiträge zur Avifauna Nordrhein-Westfalens, Bd. 36. Bonn.

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Weitere Informationen zu Vögeln (Aves) im Internet

Avibase: Umfangreiches Datenbank-Informations-System über alle Vögel der Welt. Sie enthält nahezu 2 Million Aufzeichnungen über 10.000 Spezies und 22.000 Subspezies von Vögeln, einschließlich Verbreitungs-Informationen, Taxonomie, Synonyme in mehreren Sprachen und anderes.

birdnet.de: Das Deutsche Forum zum Thema Vögel. Aktuelles, Forum, Fotos, Archiv...


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