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Weißstorch - Ciconia ciconia (LINNAEUS, 1758)
Artenprofil von Axel Steiner


Systematische Einordnung

Stamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Storchenvögel (Ciconiiformes)
Familie: Störche (Ciconiidae)

Fotos (© Kirstin Meyer)
NSG Walsumer Rheinaue in Duisburg (1-2),
Rieselfelder Münster (3)


(xxl-Foto)
08.2008

(xxl-Foto)
08.2008

(xxl-Foto)
09.2006
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich
     
Besondere Merkmale
Weißes Gefieder mit schwarzen Schwingen; langer glänzender roter Schnabel und lange rote Beine; langer Hals; aufrechte Körperhaltung; schreitender Gang; die Geschlechter sind äußerlich kaum unterscheidbar

Jungvögel: Schnabel zunächst schwärzlich, allmählich über bräunlich in blaßrot übergehend, Beine rosafarben

Körperlänge: (95-) 100-102 (-115) cm
Gewicht: Männchen 2610-4400 g, Weibchen 2275-3900 g
Flügelspannweite: 155-165 cm; Flügellänge: 53-63 cm

Ähnliche Arten: Graureiher und Schwarzstorch kämen von der Statur noch in Frage. Die Färbungen unterscheiden sich aber doch erheblich. Im Flug durch seinen langen, gestreckten Hals von Reihern (s-förmige Halshaltung) gut zu unterscheiden.

Lebensraum
Der Weißstorch ist ein Charaktervogel offener Kulturlandschaft mit nicht allzu hoher Vegetation. Man findet ihn auch in Sümpfen, feuchten oder auf trockenen Wiesen und in Auen. Als Kulturfolger läuft er bei der Nahrungssuche gerne dem Traktor des pflügenden Bauern hinterher.

Biologie und Lebensweise
Vor allem während der Balz machen sich die Vögel durch lautes rhythmisches Schnabelklappern bemerkbar (= Klapperstorch). Das zuerst am Nest erscheinende Männchen begrüßt das Weibchen klappernd mit bis auf den Rücken zurückgeworfenem Kopf. Ab Mitte März bis Mai beginnt dann die Eiablage für die einzige Jahresbrut. Charakteristisch ist die Fähigkeit der Weißstörche, dass sie auf einem Bein stehen können. Dies kann man auch oft im Nest beobachten.

Nest: große Reisignester (bis 2 m hoch und 1,5 m breit) auf Hausdächern, Strommasten, Schornsteinen, Kirchen, Ruinen und Bäumen; oft dienen auf Hausdächern befestigte Wagenräder/Körbe als Unterbau für das Nest; das Nest des Vorjahres wird erneut genutzt und ausgebessert; innen mit Gras, Erde, Pflanzenteilen, Federn und feinem Reisig ausgekleidet



Weißstorch im Anflug ans Nest (Foto: Axel Steiner, Kaiserstuhl/Baden-Württemberg, xxl-Foto)

Eier: (1-) 3-5 (-7) Eier; Legeabstand 2 Tage; kalkweiß mit sehr feiner Körnung; wenig glänzend; elliptisch bis spindelförmig; Eigröße: 77,3 x 52,5 mm; durchschnittlich 111,5 g schwer

Brutdauer/Brutpflege: 32 (-34) Tage; Nesthocker; beide Geschlechter brüten und füttern anschließend

Nestlingsdauer: mit 55-60 Tagen sind die Jungvögel flugfähig; nach ca. 3 Monaten sind sie selbstständig; es werden im Durchschnitt 2,5 Junge flügge

Die Vögel sind mit 3-4 Jahren geschlechtsreif. Störche werden oft beringt, um Informationen über ihre Flugrouten und Lebensgeschichten zu bekommen. Mit einem guten Fernglas kann man die Ringe auch aus einiger Entfernung ablesen. Eine moderne Variante der Rund-um-die-Uhr-Überwachung besteht darin die Tiere mit Sendern zu bestücken. Diese Beobachtungen ergaben u. a. , dass der älteste beringte Weißstorch immerhin fast 40 Jahre alt geworden ist. Die durchschnittliche Generationslänge beträgt ca. 8 Jahre.



Weißstorch im Flug (Foto: Axel Steiner, Kaiserstuhl/Baden-Württemberg, xxl-Foto)

Weißstörche sind mit ihren breiten und an den Enden fingerig befiederten Flügeln bestens für energiesparende Gleit- und Segelflüge geeignet. Der warme Aufwind kann für diese Flugarten jedoch nur über Landmassen genutzt werden, so dass das Winterquartier nicht über den Wasser- sondern auf dem Landweg angestrebt wird. Die Winterquartiere in Afrika werden entweder über den Bosperus (Südostroute) oder Gibraltar (Südwestroute) angeflogen. Dabei werden insgesamt (Hin- und Rückflug) etwa 30.000 km zurückgelegt. Im Gegensatz zu Kranichen ziehen Weißstörche nicht in Formationen sondern in ungeordneten Trupps Ende August nach Afrika. Die NRW-Störche fliegen meist über die Gibraltar-Route gen Süden. Es kann jedoch sogar vorkommen, dass sich die Paare trennen und für unterschiedliche Reiserouten entscheiden.

Einige Weißstörche bleiben - ausgelöst durch milde Winter, Winterfütterung und Ansiedlung von in Gefangenschaft gehaltenen Tieren - sogar das ganze Jahr über in Deutschland und verzichten auf den Wechsel in ihr südliches Winterquartier. Im darauffolgenden Jahr sucht das Brutpaar den gleichen Brutplatz erneut auf und findet auf diese Weise oft wieder zueinander.

Nahrung
Die Nahrung, die aus Kleintieren wie z. B. Fröschen, Schlangen, Fischen, Nagetieren, Würmern, großen Insekten (insbesondere Heuschrecken), Maulwürfen, Vogeljungen besteht, wird gesucht, während die Vögel langsam über die Wiesen schreiten. Selbst Aas gehört zu dem umfangreichen Nahrungsspektrum.

Verbreitung in D/Welt
engl. = White Stork


Weißstörche (Fotos: Kirstin Meyer, Algarve/Portugal, 02.2009 - xxl-Fotos: 1, 2, 3, 4)


Weißstörche leben in insgesamt ca. 250.000 Brutpaaren in Nord-Afrika, Europa, Vorderasien bis West-Iran und in einem isolierten Vorkommen in Süd-Afrika. Die größten europäischen Weißstorch-Populationen findet man in Polen (ca. 45.000 Brutpaare) und anderen osteuropäischen Ländern.

Aufgrund von Kollisionen an Hochspannungsleitungen und verschlechterten Nahrungsbedingungen wegen Lebensraumverlust durch Trockenlegung von Feuchtgebieten sind die Weißstorchbestände in Deutschland durchaus gefährdet und die Art wird in der aktuellen Roten Liste der bedrohten Vogelarten (2008) folgerichtig mit dem Status 3 = gefährdet geführt. Der deutsche Gesamtbestand besteht aus ca. 4400 Brutpaaren.

Weltweite Verbreitungskarte des Weißstorch bei Avibase

Verbreitung in NRW
Im Kreis Minden-Lübbecke brüten über 20 Brutpaare, in den Münsteraner Rieselfeldern nistet seit 2001 ein Brutpaar und auch am Niederrhein (Bislicher Insel, Kranenburg, Zyfflich, Keeken) brütet der Weißstorch vereinzelt erfolgreich. Dennoch ist der Weißstorch in NRW nur selten anzutreffen und wird in der Roten Liste der bedrohten Vogelarten NRWs mit dem Status 1 = vom Aussterben bedroht, geführt. Überwinternde Weißstörche sind schwerpunktmäßig im Rheinland am Rhein zwischen Duisburg und Leverkusen zu finden.

Benutzte Literatur
BAUER, H.-G.; E. BEZZEL; W. FIEDLER (2005): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Band 1. Nonpasseriformes - Nichtsperlingsvögel. AULA-Verlag, Wiebelsheim. 808 S.

COUZENS, D. (2006): Der große Vogelatlas. Alle europäischen Arten. Eugen Ulmer KG, Stuttgart. 336 S.

FÜNFSTÜCK, H.-J.; A. EBERT & I. WEIß (2010): Taschenlexikon der Vögel Deutschlands. Ein kompetenter Begleiter durch die heimische Vogelwelt. Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim. 686 S.

HARRISON, C. (1975): Jungvögel, Eier und Nester aller Vögel Europas, Nordafrikas und des Mittleren Ostens: ein Naturführer z. Fortpflanzungsbiologie. Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin. 435 S.

JONSSON, L. (1999): Die Vögel Europas und des Mittelmeerraumes. Franckh-Kosmos Verlag. 559 S.

MONING, C. ; T. GRIESOHN-PFLIEGER & M. HORN (2010): Grundkurs Vogelbestimmung. Eine Einführung zur Beobachtung und Bestimmung unserer heimischen Vögel. Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim. 422 S.

MONING, CH. & F. WEIß (2007): Vögel beobachten in Norddeutschland. Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. 383 S.

NICOLAI, JÜRGEN (1982): Fotoatlas der Vögel. Gräfe und Unzer GmbH, München. 300 S.

RHEINWALD, G. & M. SCHMITZ (2007): Vögel zwischen Rhein und Weser. So wird Vogelbeobachtung zum Erlebnis. Ginster-Verlag, St. Katharinen, 344 S.

SINGER, D. (2008): Welcher Vogel ist das? Alle Vögel Europas. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. 430 S.


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Weitere Informationen zu Vögeln (Aves) im Internet

Avibase: Umfangreiches Datenbank-Informations-System über alle Vögel der Welt. Sie enthält nahezu 2 Million Aufzeichnungen über 10.000 Spezies und 22.000 Subspezies von Vögeln, einschließlich Verbreitungs-Informationen, Taxonomie, Synonyme in mehreren Sprachen und anderes.

birdnet.de: Das Deutsche Forum zum Thema Vögel. Aktuelles, Forum, Fotos, Archiv...


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