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Wendehals - Jynx torquilla LINNAEUS 1758
Artenprofil von Axel Steiner


Systematische Einordnung

Stamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Familie: Spechte (Picidae)
Unterfamilie: Wendehälse (Jynginae))

Fotos (© Axel Steiner)
Breckerfeld


(xxl-Foto)
30.08.2010

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30.08.2010

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30.08.2010
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30.08.2010

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30.08.2010

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30.08.2010
Besondere Merkmale
Wendehälse sind mit ihrer rindenfarbigen Tarn-Gefiederfärbung perfekt für ihr Leben auf Bäumen angepasst.
Beide Geschlechter sind äußerlich kaum zu unterscheiden (Männchen mit etwas größerer Schwanzprojektion).

Merkmale: Oberseite und der längliche gerundete Schwanz dicht grau, braun und rostgelb mit feiner unregelmäßger Strichelzeichnung gemustert; vom Kopf zieht sich ein schwarzbrauner Streifen über den Rücken; rotbrauner und schwarz gefleckter Augenstreif; Kinn weißlich; Halsseiten und Brust gelblich braun bis ockerfarbig; übrige Unterseite rahmgelblich mit engen graubraunen Querwellen; Schwungfedern dunkelbraun mit beigefarbenen und schwarzbraunen Binden; graubraune Füße spechttypisch mit 2 nach vorne und 2 nach hinten gerichteten Zehen; aufrichtbare Scheitelfedern; im Unterschied zu den echten Spechten fehlt der Stützschwanz und der starke Meißelschnabel



Der extrem spitze graubräunliche Schnabel des Wendehals (Foto © Axel Steiner)


Auch der wellenförmige Flug des Wendehalses bei dem er lange Strecken mit zusammengelegten Flügeln gleitend zurücklegen kann ist recht auffällig.

Körperlänge: 16-17 cm (kleiner als Amsel, ca. Sperlingsgröße)
Spannweite: 25-27 cm
Flügellänge: M = 8,6-9,7 cm, W = 8,6-9,3 cm
Gewicht: 30-47 g (Zugvögel bis 54 g)

Wendehälse trommeln nicht wie andere Spechtarten. Den quäkenden an einen Baumfalken erinnernden Ruf (Serie von 8-15 gedämpft und rau klingendem "gjä-gjä-gjä-gjä-gjä") des Wendehals können Sie sich hier bei vogelstimmen-wehr.de: Vogelkundliche Videofilme in einem kleinen Video anhören/-sehen.

Ähnliche Art:
Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus): mit 24-28 cm deutlich größer, sehr langer Schwanz, viel größere Augen

Lebensraum
In Gärten, Weinbergen, Feuchtgebieten mit Büschen und Bäumen, Obstwiesen, offenen Laub- oder Laubmischwäldern, Parks, Alleen, Pappelplantagen, lichten Kieferwäldern und baumreichen Parklandschaften zu finden. Dicht geschlossene Wälder werden gemieden. Lebensräume, die von dem anspruchsvollen Wendehals besiedelt werden, müssen reich strukturiert sein.
Den hier gezeigten Wendehals habe ich in Breckerfeld durch das Küchenfenster im eigenen Garten fotografiert. Es grenzen u. a. Viehweiden mit einer Streuobstwiese an.

Biologie und Lebensweise
Der Name des Vogels kommt von seiner Fähigkeit bei Gefahr ein interessantes Abschreckverhalten zu zelebrieren. Dabei plustert sich der Vogel auf, richtet die Scheitelfedern zu einer kurzen Haube auf, reckt den Hals und zieht ihn schnell wieder ein. Dabei wird der Hals auch seitlich bewegt und der Kopf bis zu 90° verdreht und nach vorne gestreckt bis er mit dem Rücken auf einer Ebene liegt. Unterstützt werden diese schlangenartigen Bewegungen (= Schlangenmimikry) durch Zischlaute.

Wenn man einen am Boden sitzenden Wendehals aufscheucht flüchtet er schnell auf einen nahen Baum und drückt sich dort - perfekt getarnt - an einen Ast.
Wendehälse nisten in natürlichen Baumhöhlen, die sie jedoch nicht selber anlegen. Oft werden alte Spechthöhlen genutzt, aus denen gelegentlich die Vorbesitzer samt ihrer Brut vertrieben werden. Ersatzweise werden auch Nistkästen angenommen. Sie können nicht an Baumstämmen entlanglaufen wie "echte" Spechte, krallen sich jedoch gelegentlich mit Hilfe ihrer typischen Spechtfüße am Baumstamm fest.

Eier: Gelegegröße 7-12 spindelförmig bis ovale Eier; Eifärbung: weiß, glatt, glanzlos, dickschalig; Eigröße: 20,3 x 15,3 mm Legebeginn: Ende April/Anfang Mai
Brutdauer: 11-14 Tage; beide Elterntiere brüten
Nestlingszeit: Nach (19-) 20-22 (-25) Tagen sind die Jungen flügge.

Meist nur eine - manchmal auch zwei - Jahresbruten.
Wendehälse können - ermittelt nach Ringfunden - über 10 Jahre alt werden, erreichen aber meist bereits das 4. Lebensjahr nicht mehr.

Nahrung
Der Wendehals sucht seine Nahrung - meist Ameisen in allen Entwicklungsstadien (Eier, Puppen, Adulte) - am Boden hüpfend oder festgekrallt am Baum. Alternativ werden aber auch andere Insekten (u. a. Raupen, Blattläuse) oder Spinnen gefressen. Er stochert bei der Nahrungssuche mit seinem Schnabel im Boden (auch Ameisenhaufen) herum und nimmt die Beute mit seiner langen klebrigen Zunge (Leimrute) auf.

   

Wendehals bei der Nahrungssuche (Fotos © Axel Steiner - xxl-Foto 1, xxl-Foto 2)

Verbreitung in D/Welt
Wendehälse sind Zugvögel und kommen im April/Mai nach Deutschland. Von August bis Oktober fliegen sie wieder zurück ins tropische Afrika (südlich der Sahara in den Savannengebieten). Das Brutareal liegt in Nordafrika und Eurasien von Westeuropa bis Sacchalin und Nordostkorea. Er fehlt in Teilen Spaniens, Griechenland, im nördlichen Skandinanvien, in Nordrussland, Island und großen Teilen der Britischen Inseln.
Der Wendehals ist in Deutschland weit verbreitet aber fast überall sehr selten und mit negativem Bestandstrend! In LIMBRUNNER et al. (2007) wird sogar von einem katastrophalem Rückgang in Mitteleuropa gesprochen. Ein stabiler Bestand befindet sich noch in der Lüneburger Heide. In der Roten Liste der bedrohten Vogelarten Deutschlands (2008) wird der Wendehals in der Kategorie 2 = stark gefährdet geführt.
Zur weltweiten Verbreitungskarte des Wendehals bei Avibase.

Verbreitung in NRW
Der Wendehals gilt in NRW als seltene, nur regional verbreitete oder heimliche Art, die nur schwer bzw. an bestimmten Örtlichkeiten beobachtet werden kann (RHEINWALD & SCHMITZ, 2007). In NRW kann man mit viel Glück Wendehälse u. a. noch im NSG Wahner Heide bei Köln beobachten. Vermutlich gibt es in ganz NRW nicht viel mehr als 16 Brutpaare (WINK et al., 2005) und die Art steht hierzulande kurz vor dem Aussterben. Sie wird in NRW auch mit dem traurigen Rote-Liste-Status 1 = vom Aussterben bedroht geführt. Gründe für diesen negativen Trend sind u. a.: Lebensraumzerstörung (u. a. Reduzierung der Streuobstwiesenflächen, Verlust wichtiger Randstrukturen und Pufferzonen), zu häufige Wiesenmahd, Einsatz von Pestiziden und damit Nahrungsentzug und Gefahren auf den Zugwegen bzw. in den Winterquartieren.

Benutzte Literatur
BAUER, H.-G; E. BEZZEL; W. FIEDLER (2005): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Band 2. Passeriformes - Sperlingsvögel. AULA-Verlag, Wiebelsheim. 622 S.

BALZARI C. & GYGAZ, A. (2010): Vogelarten der Schweiz - Der Bestimmungsführer. Haupt-Verlag, Bern. 400 S.

FÜNFSTÜCK, H.-J.; A. EBERT & I. WEIß (2010): Taschenlexikon der Vögel Deutschlands. Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim. 686 S.

HAYMAN, P. & R. HUME (2009): Vögel: 430 Arten Europas. Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. 550 S.

JONSSON, L. (2010): Die Vögel Europas und des Mittelmeerraumes. 3. unveränderte Neuauflage, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. 559 S.

LIMBRUNNER, A; E. BEZZEL; K. RICHARZ & D. SINGER (2001/2007): Enzyklopädie der Brutvögel Europas. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. Einbändige Sonderausgabe des 2001 erschienenen Doppelbandes. 860 S.

MONING, CH. & F. WEIß (2007): Vögel beobachten in Norddeutschland. Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. 383 S.

PETERSON, R.; G. MOUNTFORT & P. A. D. HOLLOM (1985): Die Vögel Europas: ein Taschenbuch für Ornithologen und Naturfreunde über alle in Europa lebenden Vögel. 14., verbesserte Aufl. Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin. 535 S.

RHEINWALD, G. & M. SCHMITZ (2007): Vögel zwischen Rhein und Weser. So wird Vogelbeobachtung zum Erlebnis. Ginster-Verlag, St. Katharinen, 344 S.

SINGER, D. (2008): Welcher Vogel ist das? Alle Vögel Europas. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. 430 S.

WINK, M.; C. DIETZEN & B. GIEßING (2005): Die Vögel des Rheinlandes. Ein Atlas der Brut und Wintervogelverbreitung 1990-2000. Beiträge zur Avifauna Nordrhein-Westfalens, Bd. 36. Bonn.


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Weitere Informationen zu Vögeln (Aves) im Internet

Avibase: Umfangreiches Datenbank-Informations-System über alle Vögel der Welt. Sie enthält nahezu 2 Million Aufzeichnungen über 10.000 Spezies und 22.000 Subspezies von Vögeln, einschließlich Verbreitungs-Informationen, Taxonomie, Synonyme in mehreren Sprachen und anderes.

birdnet.de: Das Deutsche Forum zum Thema Vögel. Aktuelles, Forum, Fotos, Archiv...

NABU NRW: Langer Artikel zum Vogel des Jahres 2006 (Kleiber)


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