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Erdfinsterspinne - Coelotes terrestris (WIDER, 1834)
Artenprofil von Nicolaj Klapkarek


Systematische Einordnung

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Familie: Finsterspinnen (Amaurobiidae)

Fotos (© Nicolaj Klapkarek)
Bonn-Lannesdorf, Bonn-Kottenforst



(xl-Foto)

Weibchen
16.05.2005


(xl-Foto)

Weibchen
16.05.2005


(xl-Foto)

Weibchen
16.05.2005
Klick auf die kleinen Bilder oder xl-Ansicht möglich
     
Besondere Merkmale
Vorderkörper: dunkel rotbraun, Sternum, Augenregion und Cheliceren meist dunkler als restlicher Vorderkörper bis fast schwarz.

Hinterleib: dunkelgrau bis schwarzgrau. Auf der Oberseite befindet sich im vorderen Teil ein sich nach hinten verengendes dunkles (schwarzes) Mittelband. Im hinteren Teil der Oberseite geht das dunkle Mittelband in eine gelbgraue Winkelzeichnung über. Die Seiten des Hinterleibes sind mit ebenfalls gelblichgrauen Muster versehen.

Beine: einfarbig rotbraun bis dunkel rotbraun.

Das für die Familie Amaurobiidae typische Cribellum (Spinnesieb) und Calamistrum (kammförmige Struktur an den Hinterbeinen) fehlen bei der Gattung Coelotes. Deshalb wurden sie früher in die Familie Agelenidae eingeordnet. Neuere Untersuchungen ergaben eine Zugehörigkeit zu der Familie Amaurobiidae. Das Cribellum und Calamistrum sind charakteristische Merkmale der sog. cribellaten Spinnen (Cribellata). Sie werden zum Herstellen einer besonderen Fangwolle verwendet, die über adhäsive Kräfte die Beute festhält. Ecribellate Spinnen (wie z.B. die Radnetzspinnen) verwenden im Gegensatz dazu eine Art Leimsubstanz zum Fangen der Beutetiere.

Ähnliche Arten: Sehr nah verwandt mit Coelotes terrestris ist C. atropos. Beide Arten sind sicher nur genitalmorphologisch zu unterscheiden. Allerdings ist letztere Art sehr selten, bewohnt aber die gleichen Lebensräume wie C. terrestris.

Körperlänge: Männchen: 7-9 mm; Weibchen: 9-13 mm

Lebensraum
Die Erdfinsterspinne ist eine typische Waldart. Sie kommt in allen nicht zu trockenen und zu feuchten Laub- und Nadelwäldern vom Flachland bis ins Gebirge vor. Daneben kann man sie auch an Waldrändern, in Feldgehölzen, Gebüschen und Hecken finden. Von diesen gehölzdominierten Biotoptypen strahlt sie ins umliegende Offenlandbiotoptypen aus - wie Magerrasen, Brachen, Ruderalstandorte, Heiden etc.

Biologie und Lebensweise
Coelotes terrestris lebt unter Steinen, liegenden Baumstämmen und unter loser Rinde. Dort baut sie ein ca. 5 cm breites flaches Trichternetz, das in der Netzmitte in eine ca. 10 cm lange mit Gespinst ausgekleidete Erdröhre übergeht.
Die Erdfinsterspinne ist nachaktiv. Dann wartet sie an der Röhrenmündung. Gerät Beute auf das Trichternetz kommt sie aus der Röhre, erfasst die Beute und injiziert ihr lähmendes Gift. Dann wird die Beute zum Fressen in die Erdröhre gezerrt. Tagsüber zieht sie sich meist in die Erdhöhle zurück.
Das Weibchen legt ihren mit Erde getarnten Eikokon in der Erdröhre ab. Wenn die Jungspinnen schlüpfen, dann verbleiben sie noch eine Weile (ca. einen Monat) im mütterlichen Netz und werden von dem Weibchen versorgt. Dazu wird Beute mit einer Verdauungsflüssigkeit eingespeichelt und den Jungspinnen überlassen. Manchmal wird das Weibchen von den Jungspinnen auch regelrecht angebettelt. Dabei bestreichen die Jungspinnen die Cheliceren der Mutterspinne mit den Palpen oder Vorderbeinen. Die Mutter scheint die von den Bewegungen ausgehenden Netzerschütterungen von Jungspinnen gut von denen der Beute zu unterscheiden. Manchmal werden Jungspinnen dennoch geprüft, in dem die Mutter die Jungspinnen mit dem Palpus abtastet. Durch diese Art der Brutfürsorge sind den Jungspinnen größere Beutetiere als Nahrungsquelle verfügbar als sie selbst fangen könnten. Des Weiteren genießen sie im mütterlichen Netz ein größere Sicherheit.
Adulte Exemplare finden sich vom Frühling bis zum Herbst.

Nahrung
Bodeninsekten (vor allem Käfer) und Asseln.

Verbreitung in D/Welt
Ein genaues Verbreitungsmuster der in ganz Deutschland verbreiteten und häufigen Erdfinsterspinne in Deutschland finden Sie hier: Arachnologische Gesellschaft e. V.: Nachweiskarten der Spinnentiere Deutschlands

Verbreitung in NRW
Coelotes terrestris ist in ganz NRW verbreitet und häufig.

Benutzte Literatur
BELLMANN, H. (1984): Spinnen. Beobachten, bestimmen. Neumann-Neudamm. Melsungen, Berlin, Basel, Wien. 160 S.

HEIMER, S. & NENTWIG, W. (1991): Spinnen Mitteleuropas. Verlag Paul Parey. Berlin, Hamburg. 543 S.

JONES, D. (1987): Der Kosmos-Spinnenführer. Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart. 3. Auflage. 320 S.

SAUER, F. & WUNDERLICH, J. (1991): Die schönsten Spinnen Europas. Fauna-Verlag. Karlsfeld. 4. Auflage. 202 S.

LOCKET, G. H. & MILLIDGE, A. F. (1951): British Spiders. Vol. I und Vol. II. Ray Society. London 310 und 449 S.

HÄNGGI, A. et al. (1995): Lebensräume mitteleuropäischer Spinnen. Charakterisierung der Lebensräume der häufigsten Spinnenarten Mitteleuropas und der mit diesen vergesellschafteten Arten. Misc. Faunistica Helvetiae 4, 1 -460.

FOELIX, R. F. (1992): Biologie der Spinnen. Thieme Verlag. Stuttgart. 331 S.


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Weitere Informationen zu Spinnen (Arachnida) im Internet

Arachnologische Gesellschaft e. V. - Nachweiskarten der Spinnentiere Deutschlands

Arachnologische Gesellschaft e. V. - Checklisten, Publikationen, Links...

Spinnen Mitteleuropas - Bestimmungsschlüssel in deutsch, englisch und slowenisch

Museum Koenig: Bilderbestimmungsschlüssel mit extremen Makroaufnahmen (auf englisch)


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