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Abendsegler, Großer Abendsegler - Nyctalus noctula (SCHREBER, 1774)
Artenprofil von Axel Steiner


Systematische Einordnung

Stamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)

Fotos (© Michael Straube)
Heinsberg

Die Aufnahmen entstanden im Rahmen genehmigter
FFH-Arten-Kartierungen!


(xxl-Foto)
im Fledermauskasten

(xxl-Foto)
im Fledermauskasten
Ausschnitt
 
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich

(xxl-Foto)
im Fledermauskasten
mit Blaumeise

(xxl-Foto)
eingeklemmt im
Stacheldraht
 
Besondere Merkmale



Großer Abendsegler (Nyctalus noctula, Foto: Michael Straube)

Große Fledermausart mit breiten, kurzen, abgerundeten Ohren; breite Schnauze; sehr kurzer, gebogener, pilzförmiger, am Ende viel breiterer Ohrdeckel (Tragus) als am Grunde; breite Füße; kurzes eng anliegendes Fell, das auf dem Rücken rötlich glänzt und auf der Unterseite etwas heller und matt ist; nackte Hautpartien (Gesicht, Ohren, Flughäute) schwarzbraun; lange an der Spitze schmale Flügel; dichte Behaarung entlang des Unterarms; langer Schwanz; Spitze des letzten Schwanzwirbels ragt aus der Flughaut; die lauten und schrillen Schreie sind auch für Menschen mit gutem Gehör hörbar; mit Fledermausdetektoren kann man anhand der 10-20 ms langen Ortungslaute den Großen Abendsegler identifizieren (keine andere heimische Fledermausart gibt so lange Ortungslaute von sich)

Körpermaße
Kopf-Rumpflänge: 7-8 cm
Flügelspannweite: 35-40 cm
Schwanz: 4,1-5,9 cm
Höhe: 1-1,2 cm
Unterarmlänge: 47,3-58,9 mm
Gewicht: (15-) 21-30 (-40) g

Ähnliche Arten:
Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus): längere und schmalere Ohren; anders geformten Ohrdeckel (= Tragus); dunklere Färbung; breitere und rundere Flügel; abgerundete Schwanzflughaut
Kleiner Abendsegler (Nyctalus leisleri): deutlich kleiner; dunklere Fellfärbung; fliegt meist erst nach Sonnenuntergang aus; Gewicht nur 14-20 g

Lebensraum
In Auwäldern, Buchen- und Eichenwäldern und sogar in Städten, Gärten und Parks kann man den Großen Abendsegler antreffen. Bevorzugte Jagdgebiete sind aber Gewässer und Auen, die einen hohen Baumbestand und ausreichend hoch fliegende Insekten aufweisen.

Biologie und Lebensweise
Große Abendsegler sind Wanderfledermäuse, die ab September 500 bis 1000 km (selten auch bis 1500 km) in Richtung Südwest ziehen und ab Mitte März wieder aus Richtung Nordost zurückkehren. Dabei werden täglich ca. 20-40 km Flugstrecke zurückgelegt.
Im Sommer werden insbesondere Spechthöhlen in Höhen von 4-12 m als Quartier gewählt, wobei Buchen in Waldrandnähe bevorzugt werden. Ersatzweise werden auch gerne Fledermauskästen angenommen.
Ab August suchen sich die Männchen Paarungsquartiere, die sie gegen andere Männchen verteidigen. Dort locken sie durch Gesänge vom Quartiereingang mehrere Weibchen (meist 4-5) an, mit denen sie sich dann paaren. Die Geburt der 1-2 Jungen pro Weibchen erfolgt dann ab Mitte Juni des nächsten Jahres. Dazu suchen etwa 20-60 Weibchen sogenannte Wochenstuben auf, in denen sie ohne die Männchen die Jungen aufziehen. Die jungen Abendsegler warten am Hangplatz, bis die Mutter von ihrem nächtlichen Jagdflug zurückkehrt. An der Stimme und am Geruch werden sie von der Mutter wiedererkannt und gesäugt. Die Zwillinge sind interessanter Weise oft nicht vom selben Vater. Nach 4 Wochen unternehmen die Jungen bereits ihre ersten Ausflüge.
Als Winterquartier dienen dickwandige Baumhöhlen, Felsspalten, Spaltöffnungen an Gebäuden oder Deckenspalten in Höhlen. Dort wird in großen Gruppen dicht an dicht überwintert. Der Winterschlaf reicht je nach Witterung von Oktober bis März, kann aber bei hohen Temperaturen für einzelne Jagdflüge unterbrochen werden.

Nahrung
Der Große Abendsegler fliegt bereits am späten Nachmittag bzw. frühen Abend aus. Die Nahrung besteht aus Insekten, die in sehr schnellem (bis über 50 km/h) und geradlinigen Flug meist mit deutlichem Abstand zur Vegetation (meist 10-50 m bis 80 Meter Höhe) erbeutet wird. Je nach Angebot besteht die Nahrung aus Fliegen, Wanzen, Köcherfliegen, Käfern (gerne Mai- oder Mistkäfer) und Schmetterlingen. Jagdflüge sind im Herbst und Winter am späten Nachmittag auch im Hellen zu beobachten.

Verbreitung in D/Welt
engl. Artname = Noctule

Große Teile Europas (nördlich bis zum 61° Breitengrad, ohne Nordskandinavien, Island und Irland), Nordafrikas, Kleinasiens und des Nahen Ostens sind von dieser Fledermausart besiedelt.
In Deutschland steht der Große Abendsegler auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten und wird dort mit dem Status 3 = gefährdet geführt. Naturnahe Waldnutzung mit dem Erhalt von Alt- und Totholzbeständen insbesondere in feuchten Augebieten ist die Voraussetzung für gesunde Bestandszahlen dieser Fledermausart.

Verbreitung in NRW
"In Nordrhein-Westfalen gilt der Große Abendsegler als Ągefährdete wandernde Art“, die besonders zur Zugzeit im Frühjahr und Spätsommer/Herbst auftritt. Er kommt vor allem im Tiefland nahezu flächendeckend vor. In den höheren Lagen des Sauer- und Siegerland zeigen sich dagegen größere Verbreitungslücken. Aktuell sind 4 Wochenstubenkolonien mit je 10-30 Tieren (im Rheinland), einzelne übersommernde Männchenkolonien, zahlreiche Balz- und Paarungsquartiere sowie einige Winterquartiere mit bis zu mehreren hundert Tieren bekannt (2006)" (Quelle: Naturschutz-Fachinformationssystem NRW: Großer Abendsegler).

Eine NRW-Rasterverbreitungskarte der Art sehen Sie hier im Naturschutz-Fachinformationssystem NRW: Großer Abendsegler.

Benutzte Literatur

DIETZ, C., O. v. HELVERSEN & D. NILL (2007): Handbuch der Fledermäuse Europas und Nordwestafikas. Biologie - Kennzeichen - Gefährdung. Franckh-Kosmos Verlags GmbH & Co. KG, Stuttgart. 399 S.

DOBRORUKA, L. J. & Z. BERGER (1985): Säugetiere Europas. Stuttgart: Franckh (Kosmos-Naturführer). 189 S.

HOFMANN, H. (1993): Tiere in Natur und Garten. Bestimmen - Kennenlernen - Schützen. Große und kleine Säugetiere Europas. Gräfe und Unzer GmbH, München. 157 S.

REICHHOLF, J. (1982): Die farbigen Naturführer: Säugetiere. Mosaik Verlag GmbH, München. 287 S.

SIEMERS, B. & D. NILL (2000): Fledermäuse. Das Praxisbuch. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München. 127 S.


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Weitere Informationen zu Fledermäusen (Chiroptera) im Internet

fledermausschutz.de (NABU) - Forum, Beobachtungstipps, regionale Fledermausgruppen, Biologie, Arten, Was tun wenn Fledermäuse gefunden werden? usw.

Fledermaus-Beringungszentrale Bonn Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig: Hier können Sie Meldung von beringten Fledermäusen machen!

fledermauskunde.de - Infos über Anatomie, Verhalten, Echoortung, Habitate, 25 Arten, Gefährdung Forschung

Illustrated Identification key to the bats of Europe: By Christian Dietz & Otto von Helversen. Electronic Publication. Version 1.0. released 15.12.2004. Tuebingen & Erlangen (Germany). With 228 photographs by Christian Dietz and Otto von Helversen and 14 drawings by Otto von Helversen. Download von Teil 1 und Teil 2: Ausgezeichneter englischsprachiger Fledermausbestimmungsschlüssel


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