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Kreuzotter - Vipera berus (LINNAEUS, 1758)
Artenprofil von Heide Gospodinova & H.-Willi Wünsch
Letzte Änderung: 09.11.2016


Systematische Einordnung

Stamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Kriechtiere (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Vipern (Viperidae)
Gattung:Echte Ottern (Vipera)

Foto (© H.-Willi Wünsch)
Oppenweher Moor (Naturraum Diepholzer Moorniederung)


(xxl-Foto)
25.07.2011

(xxl-Foto)
25.07.2011
 
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich

(xxl-Foto)
25.07.2011

(xxl-Foto)
25.07.2011
 
Besondere Merkmale
Die Kreuzotter ist eine Giftschlange, die in ihren Dimensionen und Färbungen sehr variabel sein kann. Ihre durchschnittliche Körperlänge beträgt 50 bis 70 cm, wobei die Weibchen in der Regel etwas länger sind als die Männchen. Besonders kapitale weibliche Exemplare können auch bis zu 90 cm lang werden. Ebenso variabel ist ihr Gewicht. Geschlechtsreife Männchen wiegen zwischen 100 und 200 g. Trächtige Weibchen können ein Maximalgewicht von bis zu 300 Gramm erreichen. Der Leib von Vipera berus wirkt abgeflacht und der Kopf ist nur wenig vom Rumpf abgesetzt. Der Hinterkopf ist etwas verbreitert, da sich hier die Giftdrüsen befinden.



Kreuzotter (Foto © Marc Prokein, 01.04.2016, xxl-Foto per Fotoklick)


Die Färbungen des Schuppenkleides können von silbergrau, über hellbraun, blaugrau, orange, rotbraun bis schwarz variieren. Als auffälligstes Merkmal besitzen die Schlangen ein Zickzack-förmiges Muster auf der Körperoberseite, welches sich vom Hinterkopf bis zum Schwanzende durchzieht.



Kreuzotter beim "Sonne tanken" (© Marc Prokein, 02.04.2016, xxl-Foto per Fotoklick)


Auch dieses Bestimmungsmerkmal kann sehr unterschiedlich ausfallen. Diese Zeichnung kann entweder schwarz bis hellbraun ausfallen sowie schmal oder breit ausgebildet sein. Die Körperunterseite ist zumeist von gräulich-brauner Färbung. Auffällig sind die in der Augenmitte senkrecht verlaufenden katzenähnlichen Pupillen, die von einer meist orange-roten Iris umgeben sind.

Komplett schwarz gefärbte Exemplare kommen im Alpenraum vor. Ihre zweifelsfreie Bestimmung gestaltet sich schwierig. Solche Farbmorphen werden auch "Höllenotter" oder "Bergviper" genannt.



 

Schwarzgefärbte Kreuzottern der Unterart Vipera berus bosniensis, der Balkan-Kreuzotter
(Fotos © Marc Prokein, 05.04.2015, Kroatien (Nähe Zagreb), xxl-Fotos per Fotoklick)



Ähnliche andere Schlangenarten, die in NRW vorkommen:

   

Schlingnatter: nicht so plump wie die Kreuzotter; längerer Schwanz; der Kopf ist nicht so deutlich vom Hals abgesetzt; glatte ungekielte Rückenschuppen ( und nicht wie bei der Kreuzotter stark gekielt); runde Pupille (Kreuzotter = senkrecht geschlitzt); Rücken ohne Zickzackzeichnung sondern mit Längsband (Fotos © Andreas Koch, Stolberg, Mai 2013, xxl-Fotos per Fotoklick)


   

Ringelnatter: mit typischer halbmondförmiger heller Kopfzeichnung und mit runden Pupillen
(links: Paarungsbereite Ringelnattern, © Heide Gospodinova, Stallberg, 23.06.2011;
rechts © Züngelnde Ringelnatter, H.-Willi Wünsch, 26.04.2010, Wahner Heide (Köln), xxl-Fotos per Fotoklick)


Lebensraum



Diese Lichtung zeigt ein Kreuzotter-Habitat (Foto © Marc Prokein, 23.08.2014, xxl-Foto per Fotoklick)


Als wechselwarmes Reptil besiedelt die Kreuzotter Lebensräume mit tendenziell stark unterschiedlichen Temperaturen zwischen Tag und Nacht. Im Flachland liegen ihre bevorzugten Habitate in Gebieten mit vorwiegend niederer Vegetation, beispielsweise bestehend aus Heidelbeerbüschen und Heidekraut.





Wer findet die Kreuzottern? (Fotos © Marc Prokein, 26.04.2014 (oben), 24.04.2011 (unten), xxl-Foto per Fotoklick)


Besonnte Waldränder, Moore und andere feuchte Niederungen mit kleinflächigen dunklen Torfablagerungen gelten im Flachland als optimale Lebensräume. In den alpinen Regionen kann die Kreuzotter tagsüber auf sonnigen Geröllfeldern und auf feuchten Bergwiesen im Bereich der Baumgrenze zwischen Latschenkiefern gefunden werden.

Biologie und Lebensweise
Vipera berus ist ein tagaktives Reptil. In den Morgenstunden suchen die Schlangen besonders sonnenexponierte Orte auf, um sich durch intensives Sonnenbaden auf "Betriebstemperatur" zu bringen. Diese optimale Aktivitätstemperatur erreicht sie mit etwa 30 bis 33 °C. Bei extrem hohen Temperaturen suchen sie hingegen schattige Stellen auf und verlagern ihr Aktivitätsmaximum in den Nachmittag, bzw. in den Abend.
Nach einer mehrere Monate andauernden Winterstarre, die die Tiere in sicheren Verstecken verbracht haben, beginnt in den Monaten April und Mai die Paarungszeit. Zuvor buhlen die konkurrierenden Männchen in einer Art Schaukampf um die Gunst der Weibchen.



Dem deutlich kleineren Kreuzotter-Männchen kann man nur wünschen dass das Weibchen paarungsbereit ist...
(© Marc Prokein, 02.04.2016, xxl-Foto per Fotoklick)


Nach der Paarung trennen sich die Geschlechter wieder. Die Eier, die nun im Leib des Weibchens heranreifen, werden nicht in einem Gelege abgelegt, sondern innerhalb des Mutterleibes "ausgebrütet".



Sich paarende Kreuzottern (Foto © Marc Prokein, 08.05.2013, xxl-Foto per Fotoklick)


Diese Besonderheit ist eine Anpassung an die witterungsbedingten kühlen Regionen Mittel- und Nordeuropas. Die wenigen ausreichend warmen Sonnentage würden in diesen Verbreitungsgebieten der Kreuzotter nicht ausreichen, um die Nachkommenschaft sicherzustellen. Im Mutterleib ist die warme Temperatur für die Entwicklung der Jungtiere jedoch konstant und eine Entwicklung somit gesichert. Die nur sehr dünnschaligen Eier werden von den Jungtieren zwischen August und Oktober aufgebrochen. Unmittelbar danach verlassen sie den Mutterleib. Ein Wurf kann aus 5 bis 15 Jungtieren bestehen, die etwa 10 bis 15 cm lang und so dünn sind, wie ein herkömmlicher Bleistift.



Noch nicht ausgewachsene Kreuzotter (Foto © Marc Prokein, 02.04.2016, xxl-Foto per Fotoklick)


Die Jungtiere häuten sich nach der Geburt recht schnell und sind von diesem Zeitpunkt an selbständig. Alsbald jagen sie nach kleiner Beute, die aus Molchen, jungen Fröschen und Eidechsen besteht. Die Wachstumsperioden werden mit jeweils einer Häutung abgeschlossen. Ihre Geschlechtsreife erlangen die Tiere in der Regel mit Erreichen des vierten Lebensjahres. Dreijährige Entwicklungszeiten sind ebenfalls bekannt.



Kreuzotter (© Marc Prokein, 01.04.2016, xxl-Foto per Fotoklick)


Die Kreuzotter muss sich in ihrem gefahrvollen Leben vor allerlei Fressfeinden in Acht nehmen. Hauptsächlich sind im Sommer Greifvögel, marderartige Raubtiere, wie Wiesel, Marder und Dachs, sowie der Rotfuchs die größten Prädatoren. Im Winter besteht Gefahr durch Wildschweine, welche die Schlangen in ihrem Winterquartier aufspüren und verspeisen. Kreuzottern sind von Natur aus sehr scheu. Bereits bei geringsten Störungen in ihrem Lebensraum ergreifen sie die Flucht und verbergen sich in der Vegetation. Dort sind sie, aufgrund ihrer hervorragenden Tarnung, meist unauffindbar. Der Mensch bekommt sie meist nur selten zu Gesicht, da seine Schritte am Boden Vibrationen auslösen, die von den empfindlichen Rezeptoren des Reptils erfasst werden und den Fluchtreflex auslösen.



Züngelnde Kreuzotter im Oppenweher Moor (© H.-Willi Wünsch, 25.07.2011)


Ist das Reptil jedoch zu unterkühlt um zu fliehen, kann es zu Drohgebärden verleitet werden, die sich durch lautes Zischen und Scheinangriffe äußern. Dabei kann es sowohl bei allzu neugierigen Menschen, die die Schlange anfassen wollen, als auch bei Ahnungslosen, die auf ein übersehenes ausgekühltes Reptil auf dem Boden treten, zu plötzlichen Bissattacken kommen. Im Folgenden werden die Folgen beschrieben.


Giftigkeit:
Es ist erstaunlich, dass das Gift der heimischen Kreuzotter in seiner Zusammensetzung zweimal giftiger ist, als jenes der amerikanischen Diamant-Klapperschlange (Crotalus ada-manteus). Doch diese Substanz ist bei einem Vorrat von nur ca. 10 bis ca. 18 Milligramm für das Reptil kostbar und wird nur im sehr begrenzten Maße eingesetzt. Grundsätzlich wird bei einem Biss in ein potentielles Opfer nur so viel von dem Neurotoxin injiziert, um dieses zu lähmen. Die letale (tödliche) Dosis für einen Menschen liegt bei etwa 6,5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht bei subkutaner (unter die Haut) Injektion. Bei intravenösen (in die Blutgefäße) Injektionen liegt die tödliche Dosis bei etwa 55 Milligramm.



Achtung giftig! Kreuzottern sollte man vorsichtshalber nicht zu nah kommen (© Marc Prokein, 26.04.2014, xxl-Foto per Fotoklick).


Kreuzottern können in erster Linie nur kleinen Kindern und älteren, gebrechlichen Menschen ernsthaft gefährlich werden. Symptomatisch wird der Biss einer Kreuzotter als sehr schmerzhaft beschrieben. Um die Bissstelle kommt es zu Rötungen und starken Schwellungen, bisweilen zu lokalen Lähmungen. Atemnot und Herzbeschwerden können eintreten. In jedem Fall sollte schnellstmöglich ein Arzt konsultiert werden. In der deutschen Medizin sind bislang nur ein einziger Todesfall und wenige intensivmedizinische Versorgungsfälle aufgrund von Bissen von Vipera berus bekannt.

Nahrung



Diese Waldeidechse lebte sehr gefährlich! Das Kreuzotter-Männchen hatte entweder keinen Hunger oder es war noch nicht auf "Betriebstemperatur" (Foto © Marc Prokein, 09.03.2012, xxl-Foto per Fotoklick)


Die Kreuzotter ist in erster Linie ein Lauerjäger. Regungslos aus einem Versteck jagend, erbeutet sie Kleinlurche wie Molche und Jungfrösche.



Die Waldeidechse (Zootoca vivipara) gehört zu den bevorzugten Beutetieren der Kreuzotter (© Heide Gospodinova, 20.09.2015)


Darüber hinaus zählen Kleinsäuger, wie Wühl-, und Spitzmäuse sowie andere Reptilien wie die Waldeidechse (Zootoca vivipara), zu den bevorzugten Beuteopfern von Vipera berus. Das Nahrungsspektrum der Kreuzotter richtet sich in erster Linie nach der Verfügbarkeit von potentieller Beute in den diversen Habitaten.

Verbreitung in D/Welt
Für eine Art aus der Familie der Vipern ist die Kreuzotter die Giftschlange, die als einzige Gebiete jenseits des nördlichen Polarkreises besiedelt. Ihr gewaltiges Verbreitungsgebiet reicht von Mitteleuropa, inklusive der Britischen Inseln und Skandinavien über den gesamten Balkan und Russland, weiter über die Mongolei bis nach China und Korea. Die Verbreitungsschwerpunkte in Deutschland liegen eindeutig in der Norddeutschen Tiefebene und den dortigen Moor- und Heidelandschaften.



Kreuzottern kann man mit etwas Glück in Heidelandschaften antreffen (© Marc Prokein, 02.04.2016, xxl-Foto per Fotoklick)


Ein weiterer Schwerpunkt findet sich in den östlichen Mittelgebirgslagen Deutschlands wie der Schwäbischen Alp, dem Bayrischen Wald und dem Schwarzwald sowie in den Alpen einschließlich ihres Vorlandes. Seltsamer Weise fehlt die Kreuzotter in den klimatisch begünstigten Lagen der westlichen Mittelgebirgslagen wie etwa dem Sauer- oder dem Siegerland. Auch aus den Bereichen Westerwald, Taunus oder Odenwald gibt es keine Funde der Spezies zu vermelden.

Die Kreuzotter wird gemäß der Roten Liste für bedrohte Tierarten in Deutschland aktuell in der Stufe "2" = "stark gefährdet" aufgeführt. Dies ist nicht zuletzt auf die starken Rückgänge geeigneter Refugien für diese Schlangen zurückzuführen.

Verbreitung in NRW
In NRW hat Vipera berus einen deutlichen Verbreitungsschwerpunkt im äußersten Norden des Bundeslandes. Dieser befindet sich im Naturschutzgebiet "Oppenweher Moor" im Landkreis Minden-Lübbecke, an der Grenz zu Niedersachsen. Da in diesem Areal ein absolutes Wegegebot für Naturfreunde und Erholungssuchende besteht, ist eine Begegnung mit diesem extrem scheuen Reptil ein reiner Glücksfall.



Eine Kreuzotter so fotografieren zu können ist der Traum vieler Naturfotografen
(© Marc Prokein, 01.04.2016, xxl-Foto per Fotoklick).


Die hier gezeigten Bilder von Marc Prokein sind im Kreis Wesel/Hünxe, Kreis Münster, im niederländischen Nationalpark De Meinweg in der Provinz Limburg (Gemeinde Roerdalen) an der deutschen Landesgrenze und auf der deutschen Seite der D/NL-Grenze im Kreis Gronau entstanden.

In NRW ist die Kreuzotter nach der Roten Liste der Kriechtiere NRWs (2011) aktuell in der Stufe "1" = "vom Aussterben bedroht" geführt. Den Anmerkungen der Roten Liste kann man entnehmen, dass die Art nur noch kleinräumig in Wald-Heide-Moor-Gebieten im Norden und Nordwesten von NRW in individuenarmen Populationen vorkommt und insgesamt als extrem selten bezeichnet werden kann. In den Mittelgebirge fehlt sie, genauso wie in der Niederrheinischen Bucht und der Eifel. Die Vernichtung von Moor- und Heidegebieten ist eng mit dem Schicksal der Kreuzotter verknüpft. Die meist isolierten Restpopulationen haben keine Verbindung mehr untereinander. Es handelt sich meist um Naturschutzgebiete oder militärische Sperrgebiete. Neben der Lebensraumvernichtung spielen wohl auch hohe Wildschweinpopulationen und die Klimaveränderungen, die eine Austrocknung vieler Moorgebiete zur Folge haben, eine Rolle. Zudem bedeuten zunehmende wärmere Phasen auch einen erhöhten Energieverbrauch.

Benutzte Literatur
GLITZ, D. (2014): Amphibien und Reptilien in Mitteleuropa. Gelände-Bestimmung in Stichworten. NABU Rheinland-Pfalz e. V. (Hrsg.). 112 S.

GLITZ, D. (2011): Amphibien und Reptilien Geländeschlüssel für Rheinland-Pfalz. Inkl. CD-ROM: Lernprogramm, Biotope, Schutzmaßnahmen. NABU Rheinland-Pfalz e. V. (Hrsg.). 157 S.

GRUBER, U. (1989): Die Schlangen Europas und rund ums Mittelmeer. Kosmos Naturführer, Frankh'sche Verlagshandlung Stuttgart, 248 S.

LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW - Hrsg.) (2011): Rote Liste und Artenverzeichnis der Kriechtiere - Reptilia - in Nordrhein-Westfalen. 4. Fassung, Stand September 2011. Bearbeiter: Martin Schlüpmann, Thomas Mutz, Andreas Kronshage, Arno Geiger, Monika Hachtel unter Mitarbeit des Arbeitskreises Amphibien und Reptilien in NRW (Download hier)

SCHIEMENS, H. (1996): Die Kreuzotter. Neue Brehm-Bücherei 332, Westarp-Wissenschaften. 108 S.


Balkan-Kreuzotter (© Marc Prokein, 05.04.2015, xxl-Foto per Fotoklick).


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Weitere Informationen zu Kriechtieren (Amphibien und Reptilien) im Internet

Herpetofauna NRW: Artenprofil Kreuzotter

Herpetofauna NRW: Bestimmungshilfen u. a. zum Unterschied zwischen Schlingnatter und Kreuzotter

Dipl.-Biol. Ina Blanke: Reptilien brauchen Freunde: Kreuzotter

Wikipedia: Kreuzotter


Zur Linkliste weiterer interessanter Amphibien-/Reptilien-Internetseiten auf www.natur-in-nrw.de