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Amerikanische Kiefern-/Zapfenwanze, Koniferen-Samen-Wanze
Leptoglossus occidentalis HEIDEMANN, 1910
Artenprofil von Axel Steiner
Letzte Änderung: 21.01.2014


Systematische Einordnung

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Schnabelkerfe (Hemiptera)
Unterordnung: Wanzen (Prosorrhyncha
(Heteroptera und Coleorrhyncha))
Familie: Randwanzen (Coreidae)

Fotos (© Axel Steiner)
Breckerfeld


(xxl-Foto)
08.10.2011

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08.10.2011

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08.10.2011
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich

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08.10.2011

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08.10.2011
Besondere Merkmale

Insekten-ABC, Erklärungen von Fachbegriffen



Leptoglossus occidentalis (Foto © Axel Steiner, xxl-Foto per Fotoklick)

Beschreibung: lange Beine und Fühler; der Saugrüssel erreicht das dritte oder vierte Abdominalsegment; Rücken dicht, aber kurz behaart; rötlich braun bis dunkel graubraun gefärbt; Fühler und Beine ebenfalls behaart; die von den Flügeln verdeckte Oberseite des Hinterleibs hell gelb-/orangefarbig mit fünf querlaufenden dunklen Streifen (am Seitenrand des Hinterleibs (= Connexivum) sichtbar); vorderer Teil der Vorderflügel mit heller Zickzacklinie (= Corium); Vorderflügel überragen knapp das Hinterleibsende; charakteristisch sind die blattartig verbreiterten Schienen (= Tibien) der Hinterbeine; die Schenkel (= Femura) der Hinterbeine auf der Unterseite mit sieben deutlichen Dornen, während die Mittelbeine nur drei Dornen besitzen



Das charakteristisch geformte Hinterbein von Leptoglossus occidentalis (Foto © Axel Steiner, xxl-Foto per Fotoklick)


Körperlänge: sehr große Wanzenart, 16 (Männchen) - 20 (Weibchen) mm

Ähnliche Arten:
Hierzulande sind - sofern man die typisch geformten Beine beachtet - keine Verwechslungen mit anderen Wanzenarten möglich!

Lebensraum
Als guter Flieger kann die Koniferen-Samen-Wanze fast flächendeckend auftauchen. Fundorte innerhalb von Städten kommen dabei genauso in Frage, wie kiefernreiche Parks, Heidelandschaften oder Gärten. Im Umfeld menschlicher Ansiedlungen werden insbesondere im Herbst häufiger Exemplare auf der Suche nach einem Winterquartier gesichtet.



Filme von Leptoglossus occidentalis (Filme © Reinhard Weidlich - www.feuersalamander-dvd.de, 2 Filme: 1, 2)

Biologie und Lebensweise
Die amerikanische Koniferen-Samen-Wanze zählt zu den gut und ausdauernd fliegenden Wanzenarten.
Im Frühjahr kehren beide Geschlechter aus ihren Winterquartieren zu den Wirtsbäumen zurück und gehen auf Partnersuche.

Besonders interessant ist, dass die Männchen dieser Wanzenart verschiedene Strategien verfolgen um einen Sexualpartner zu finden. Neben dem Einsatz von Sexualpheromonen, die einer ventralen Abdominaldrüse entstammen, können sie mittels Klopfen mit dem Hinterleib auf dem Substrat Töne in einer bestimmten Frequenz erzeugen, um auf diese Weise die Weibchen anzulocken.

Nach der Kopulation erfolgt die Eiablage in Etappen über einen längeren Zeitraum jeweils längs auf den Nadeln des Wirtsbaumes. Die Eier werden längs nacheinander auf jeweils eine Nadel geklebt, so dass das Hinterende eines Eies fast das vordere Ende des nächsten Eies berührt. Die jeweils etwa 12 Eier haben eine semizylindrische Form mit ovalelliptischem Querschnitt und sind 2 mm lang, etwa 1,25 mm breit und 1 mm hoch. Anfangs sind sie hellbraun gefärbt, dunkeln aber nach.

Nach etwa zehn Tagen Embryonalentwicklung schlüpfen die Larven und durchlaufen, wie bei allen Wanzenarten, insgesamt fünf Larvenstadien. Diese Entwicklung vollzieht sich innerhalb von 35 bis 40 Tagen. Die letzte Häutung zum erwachsenen Tier geschieht ab Juli/August.



Makroaufnahme von Leptoglossus occidentalis (Foto © Axel Steiner, xxl-Foto per Fotoklick)

Die ausgewachsenen Wanzen überwintern an geschützten Stellen und gelangen bei ihrer Suche nach einem geeigneten Platz auch oft in das Innere von Häusern und Wohnungen.

Zu den Feinden von Leptoglossus occidentalis gehört eine Raupenfliegenart (Trichopoda pennipes, Familie: Tachinidae/Diptera), die die Wanzenart parasitiert und deren Larven sich im Inneren der Wanze entwickeln und letztendlich abtöten.
Auch verschiedene Pilzarten aus der Ordnung Hypocreales wirken schädlich bis tödlich. Innerhalb von 10-30 Tagen können infizierte Exemplare der Koniferen-Samen-Wanze absterben.

Nahrung
Leptoglossus occidentalis saugt an Zapfen, Nadeln, Zweigen, Knospen und Blüten verschiedener Koniferen. Neben Pinaceae werden in der Literatur auch Cupressaceae (Juniperus sp.) genannt. Besonders wichtig sind die Koniferensamen, die zur vollwertigen Ernährung wohl unbedingt benötigt werden. Als Nahrungspflanzen kommen verschiedene Koniferen-Arten in Frage, wie z. B. die amerikanische Hemlocktanne (Tsuga canadensis), verschiedenste Kieferarten (u. a. die europäische Schwarzkiefer (Pinus nigra) und die Bergkiefer (Pinus mugo)) und verschiedene Fichtenarten (u. a. die Gemeine Fichte (Picea abies) und die Weiß-Fichte (Picea glauca)).

    

    

Leptoglossus occidentalis (Fotos © Marco ten Wolde, Köln, 26.09.2010, xxl-Fotos per Fotoklick)

Verbreitung in D/Welt
Die Koniferen-Samen-Wanze ist ursprünglich nearktisch verbreitet. Die Nearktis umfasst Nordamerika, Grönland und das Hochland von Mexiko.

Seit dem Jahr 1999 wird Leptoglossus occidentalis in Europa und seit 2004 (Fund in Warendorf) auch in Deutschland beobachtet. Die interessante Ausbreitung dieser Wanzenart, die WERNER (2011) sehr ausführlich dokumentiert hat, fand über Italien (1999), die Schweiz (2002), Slowenien (2003), Spanien (2003), Kroatien (2004), Ungarn (2004), Österreich (2005), Frankreich (2005), Tschechien (2006), Serbien (2006), Britische Inseln (2007), Belgien und Niederlande (2007), Polen (2007), Slowakei (2007), Montenegro (2008), Bulgarien und Rumänien (2008), Dänemark und Norwegen (2009), Türkei (2009), Griechenland (2010) und Portugal (2010) statt.



Leptoglossus occidentalis (Foto © Axel Steiner, xxl-Foto per Fotoklick)

WERNER (2011) hat herausgefunden, dass das erste deutsche Auftauchen dieser Art in Warendorf evtl. einherging mit einem möglichen Import aus Amerika im Umfeld eines Pferdegestüts. Als denkbare Transporthilfsmittel kommen z. B. Container oder Pferdeboxen in Frage.
Diese Idee deckt sich auch mit meinen eigenen Erfahrungen. Das von mir fotografierte Exemplar wurde mir von Freunden gebracht, die das Tier als blinden Passagier in ihrem Wohnwagen aus Frankreich nach Breckerfeld importiert hatten und herausfinden wollten, was sie beinahe hierzulande in die Freiheit entlassen hätten.

Verbreitung in NRW
Die amerikanische Koniferen-Samen-Wanze ist seit dem Jahre 2004 in Deutschland und auch in NRW in Ausbreitung befindlich. Seitdem kommen ständig neue Fundmeldungen und Fotobelege hinzu. WERNER (2011) gibt in seiner Arbeit bereits 25 Fundorte verteilt auf 8 Messtischblätter für NRW an. Seither dürften viele weitere Fundorte hinzugekommen sein. Einige NRW-Städte in denen sich diese Wanzenart bereits gezeigt hat sind u. a. Warendorf, Köln, Recklinghausen, Detmold, Breckerfeld, Troisdorf, Bonn, Hagen, Bochum, Düsseldorf, Mönchengladbach und Würselen.



Leptoglossus occidentalis (Foto © Axel Steiner, xxl-Foto per Fotoklick)

Benutzte Literatur
PRPIC, N.-M. (2012): Nachweis der Koniferen-Samen-Wanze Leptoglossus occidentalis HEIDEMANN, 1910 in Südniedersachsen. HETEROPTERON Heft 36 / 2012, S. 40

WACHMANN, E.; A. MELBER & J. DECKERT (2007): Wanzen. Band 3 - Pentatomomorpha 1. Aradidae, Lygaeidae, Piesmatidae, Berytidae, Pyrrhocoridae, Alydidae, Coreidae, Rhopalidae, Stenocephalidae. Die Tierwelt Deutschlands und der angrenzenden Meeresteile nach ihren Merkmalen und nach ihrer Lebensweise. Goecke & Evers, Keltern. 272 S.

WERNER, D. J. (2011): Die amerikanische Koniferen-Samen-Wanze Leptoglossus occidentalis (Heteroptera: Coreidae) als Neozoon in Europa und in Deutschland: Ausbreitung und Biologie. Entomologie heute 23 (2011): 31-68


Quellen im Internet:

LEQUET, A. : les pages entomologiques d' andré lequet: http://www.insectes-net.fr: Extrem ausführliche und perfekt bebilderte französische Seiten über die Entwicklung von Leptoglossus occidentalis auf 5 Seiten: 1, 2, 3, 4, 5

wikipedia: Amerikanische Kiefernwanze


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Weitere Informationen zu Wanzen (Prosorrhyncha) im Internet

Wanzen Mitteleuropas bei www.koleopterologie.de/heteroptera: Fotogalerie, Familien, Infos, Kontakte, Links...

Wanzen in NRW (Helga Stein): Wissenswertes über Wanzen, Fotogalerie, Systematik, Steckbriefe...


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