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Schwalbenschwanz - Papilio machaon LINNAEUS, 1758
Artenprofil von Hans-Joachim Weigt


Systematische Einordnung

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Papilionidae (Ritterfalter)

Fotos (© Hans-Joachim Weigt (1-3), Christine Reichardt (4-6))
Schwerte (1, 3), Holzwickede (2), Bosseborn bei Höxter (4-6)


(xxl-Foto)
Weibchen
21.05.2008

(xxl-Foto)
Männchen
24.07.2003

(xxl-Foto)
Männchen
16.05.2008
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich

(xxl-Foto)
Eiablage
06.07.2007

(xxl-Foto)
Pärchen
18.07.2009

(xxl-Foto)
Pärchen
18.07.2009
Besondere Merkmale

Insekten-ABC, Erklärungen von Fachbegriffen

Der Schwalbenschwanz ist nicht nur einer unserer bekanntesten sondern auch einer der schönsten Tagschmetterlinge.

Beschreibung: Flügelgrundfarbe hellgelb; Basis und Rand des Vorderflügels und der Innenrand des Hinterflügels schwarz; Nahe des Vorderflügelrandes eine schwarze Längsbinde; in der Flügelmitte 2 schwarze Partien; Nahe des Hinterflügelrandes eine breite, schwarz und blau bestäubte Binde; am Innenrand dieser Binde ein schwazr und blau gerandeter roter Fleck; schwärzliche Flügeladern und an den Hinterflügeln 2 schwanzartige Spitzen.

Ei: Kugelig, glattschalig, gelbgrün, ø ca. 1,5 mm. Wird einzeln an Blätter und Stängel abgelegt.



Eiablage an Daucus carota (mittleres Ruhrtal bei Schwerte 03.06.2008, © Hans-Joachim Weigt)


Raupe: In den beiden ersten Larvalstadien schwarz mit weißem Sattelfleck und roten Punkten. Ausgewachsen hell- bis laubgrün mit schwarzen Querbändern. Subdorsal- und Laterallinien werden durch orangerote Punkte in den schwarzen Querbändern markiert.



Raupe im L2-Stadium, Marsberg NSG Kregenberg, 27.07.1978 (© Hans-Joachim Weigt)




Ausgewachsene Raupe des Schwalbenschwanz (© Hans-Jürgen Braig, 09.08.2016, Heiligenhaus, xxl-Foto bei Bildklick)


Puppe: Die typische Gürtelpuppe tritt in einer laubgrünen und in einer braungrauen Form auf. Die Puppe der ersten Generation überwintert.



Unterschiedlich gefärbte Puppenformen des Schwalbenschwanz
(MTB 4511, mittleres Ruhrtal bei Schwerte 14.04.2008, © Hans-Joachim Weigt, xxl-Foto)

Ähnliche Arten: Der an submediterrane Klimabedingungen gewöhnte Segelfalter (Iphiclides podalirius) weist zwar eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Schwalbenschwanz auf, gilt aber in großen Teilen NRW's als ausgestorben oder verschollen bzw. wird in der Roten Liste der bedrohten Schmetterlingsarten (1999) mit dem Status 1 = vom Aussterben bedroht geführt.

Flügelspannweite: Männchen 70-90 mm, Weibchen ca. 90-110 mm

Lebensraum
Der Schwalbenschwanz ist nicht besonders standorttreu, trotzdem bevorzugen die Imagines warme, oft trockene Lebensräume z. B. am Niederrhein oder xerotherme Halbtrockenrasen in der Eifel und in Ostwestfalen. Darüber hinaus tritt die Art zunehmend in den menschlichen Siedlungsgebieten auf, da ihnen hier sowohl Kleinklima als auch das Angebot an Nahrungspflanzen entgegenkommt. Trotzdem kann man nicht von einem Kulturfolger sprechen. Für den Balzflug suchen sich die Tiere oft erhöhte Punkte aus. Das können einzeln stehende Feldscheunen ebenso sein wie Bergkuppen. Der in der Warburger Börde markant aus der Ebene hervorragende Vulkankegel des Desenberges wird zur Flugzeit von den Schwalbenschwänzen der umgebenden Feldflur zum "Hilltopping" (= jährlich wieder zu beobachtender Balzflug an Bergkuppen oder Burgruinen, die aus der Landschaft herausragen) aufgesucht.



Der Desenberg bei Warburg ist bekannt für "Hilltopping" des Schwalbenschwanzes, Juni 2002 (© Hans-Joachim Weigt, xxl-Foto)

Ab 700 Höhenmetern nehmen die Populationsdichten in NRW deutlich ab. Tiere, die im höheren Sauerland beobachtet werden, sind zumeist Zuzügler. Das liegt jedoch weniger an der Höhenlage - Papilio machaon wurde im Gebirge noch bei 2000 m gefunden - sondern eher an der durch Fichtenmonokulturen veränderten Landschaft und dem Mangel an blütenreichen Wiesen. Wie viele andere Tagschmetterlinge haben Imagines und Präimaginalstadien unterschiediche Ansprüche und besiedeln demnach auch unterschiedliche Habitate.



Lebensraum der Raupe. Diemeltal bei Warburg, Mitte Juli 2001 (© Hans-Joachim Weigt, xxl-Foto)

Obwohl dem Schwalbenschwanz genügend Lebensräume zur Verfügung standen, verschwand er ab 1965 in NRW fast völlig - bis auf einige kleine Enklaven im Rheinland und in der Warburger Börde. Nach den Wetteraufzeichnungen war die Anzahl der nassen und kalten Sommer bis 1971 besonders hoch. Auch andere Tagschmetterlingsarten wie Trauermantel, C-Falter oder Landkärtchen waren von diesen Wetterereignissen betroffen.
Erst ab den 1980er Jahren wurden diese Arten wieder vereinzelt gesichtet. Die Schwalbenschwanz-Populationen haben sich einigermaßen erholt, doch ist die Art auch heute mancherorts immer noch recht selten.

Biologie und Lebensweise
Auch in klimatisch ungünstigen Jahren bildet Papilio machaon zwei vollständige Generationen aus: 10.04. (24.4. bis 8.6.) bis 16.06. und 02.07. (20.7. bis 01.09.) bis 10.9.
Die Raupen wurden von Mitte Juni bis Ende Juli und wieder von Ende August bis Mitte September gefunden.

Nahrung
Wie viele andere Tagschmetterlinge bevorzugen die Imagines violettrote bis -blaue Blüten. Das sind vor allem Disteln, Flockenblumen, Dost, Wasserdost und in den Hausgärten vor allem der Sommerflieder. An gelb und weißblühenden Korbblütlern und an Brombeerblüten werden sie dann beobachtet, wenn violette Blüten fehlen.
Die Raupe lebt an verschiedenen Doldengewächsen wie Wilde Möhre, Fenchel, Haarstrang und Silge. Während die junge Raupe offen auf den Blättern sitzt (Vogelkotnachahmer), hält sich die ausgewachsene Raupe tagsüber mehr im unteren Teil der Pflanze auf. Sie bewegt sich kaum und ist durch ihre formauflösende Färbung und Zeichnung hervorragend geschützt. Bei Gefahr oder Berührung stülpt sie eine fleischige orangefarbene Nackengabel aus, die einen unangenehmen Geruch verströmt.

Verbreitung in D/Welt
In Deutschland flächendeckend verbreitet. Der Schwalbenschwanz kommt in der gemäßigten Palaearktis bis nach Japan vor. In der Nearktis fliegen Unterarten und nahe Verwandte.
Die Populationsdichten des Schwalbenschwanzes schwanken sehr stark und können vielerorts, besonders durch ungünstiges Wetter im Frühjahr, völlig erlöschen. Bei günstigen Wetterlagen bauen sie sich durch Zuflüge von außerhalb aber wieder auf.

Verbreitung in NRW
Auch in NRW ist der Schwalbenschwanz flächendeckend verbreitet, wird jedoch auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten mit dem Status 3 = gefährdet geführt.
Die westfälischen Fundpunkte dieser schönen Schmetterlingsart der Jahre 1960, 1980 und 2003 zeigen die folgenden Rasterkarten. Die starken Populationsschwankungen werden anhand der Karten deutlich:



Westfälische Verbreitungskarten von Papilio machaon im Jahresvergleich (© Hans-Joachim Weigt)

Weiterführende Literatur
BERGMANN, A. (1951-1955): Die Großschmetterlinge Mittel-deutschlands, 1-5/2. - Leipzig-Jena (Urania).

EBERT, G. (HRSG.) (1991-2003): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs, 9 Bände – Stuttgart (Ulmer)

FORSTER, W. & WOHLFAHRT, Th. A. (1954): Die Schmetterlinge Mitteleuropas, Band I, Biologie der Schmetterlinge. - Stuttgart (Franckh)

FORSTER, W. & WOHLFAHRT (1955): Die Schmetterlinge Mitteleuropas, Band II, Tagfalter (Diurna). – Stuttgart Franckh).

KARSHOLT,O. & RAZOWSKI, J. (1996): The Lepidoptera of Europe. A Distributional Checklist – Stenstrup Danmark (Apollo Books)

KOCH, M. (1984): Wir bestimmen Schmetterlinge, Bände 1 – 4, Melsungen (Neumann).

LERAUT, P. (1980): Liste systematique et synonymique des Lepidopteres de France, Belgique et Corse. - Alexanpr, Paris.

LEPIDOPTEREN ARBEITSGRUPPE (1987): Tagfalter und ihre Lebensräume Band 1 – Basel (Schweizerischer Bund für Naturschutz)

SEITZ, A. (1906): Die Großschmetterlinge der Erde, I. Abteilung: Die Großschmetterlinge des Palaearctischen Faunengebietes. I. Band: Tagfalter. - Stuttgart.

SEITZ, A. (1932): Die Großschmetterlinge der Erde. Supplement zu Band I: Die Palaearctischen Tagfalter. - Stuttgart (Kernen).

SKOU, P. (1984): Nordens Malere - Svendborg

SLAMKA, F. (2004): Die Tagfalter Mitteleuropas – östlicher Teil -Bratislava

SPULER, A. (1908-1910): Die Schmetterlinge Europas 1-4. - Stuttgart (Schweizerbart).

WEIDEMANN, H.-J. (1986): Tagfalter Band 1. Entwicklung - Lebensweise. Neumann-Neudamm (JNN Naturführer)


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Weitere Informationen zu Schmetterlingen (Lepidoptera) im Internet

Portal für Schmetterlinge und Raupen (Walter Schön): fast 6000 Fotos, mehr als 550 Artenportraits, Bestimmungshilfen, Infos, Kontakte, Links (Stand 07/2008)

Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V.: Infos, Kontakte, Links

Moths and Butterflies of Europe and North Africa: Diese italienische Seite in englischer Sprache zeigt jede Menge Fotos zu den Tag- und Nachtfaltern Europas.


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