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Großer Schillerfalter - Apatura iris (LINNAEUS, 1758)
Artenprofil von Axel Steiner
Letzte Änderung: 11.07.2014


Systematische Einordnung

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Edelfalter (Nymphalidae)

Fotos (© Jochen Rodenkirchen)
Ville (zwischen Brühl und Liblar)


(xxl-Foto)
Weibchen

(xxl-Foto)
Männchen
01.07.2012

(xxl-Foto)
24.06.2009
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich

(xxl-Foto)
01.07.2012

(xxl-Foto)
30.06.2010
 
Besondere Merkmale

Insekten-ABC, Erklärungen von Fachbegriffen

Imago:


Großer Schillerfalter (Apatura iris) - Flügelunterseite; Foto: Jochen Rodenkirchen)

Flügeloberseite hauptsächlich dunkelbraun bis schwärzlich; weiße Binde auf dem Hinterflügel an der Innenseite gerade und außen mit weißem Zahn; Flügelunterseiten von graubrauner Grundfarbe; durch die Hinterflügelunterseite zieht sich ein breites weißes Längsband; orangener Kreis auf der Vorderflügeloberseite kaum sichtbar - auf dem Hinterflügel jedoch sehr wohl; Fühlerspitzen schwarz

Männchen: Mikroskopisch feine Oberflächenstrukturen der Flügelschuppen lassen den männlichen Großen Schillerfalter je nach Lichteinfall in den arttypischen bläulichen Farben schillern. Wenn Männchen und Weibchen sehr unterschiedlich aussehen spricht man von Sexual-Dimorphismus.

Weibchen: größer als das Männchen und ohne "Blaustich"



Männlicher Großer Schillerfalter - Flügeloberseite (Foto: Jochen Rodenkirchen, xxl-Ansicht per Fotoklick!)

Flügelspannweite: 55-65 mm

Ei:
Kegelförmig, mit deutlichen Längsrippen; frische Eier gräulich, später sich grünlich verfärbend; nach einigen Tagen mit purpurrotem Ring, der langsam nach oben steigt; am Tag vor dem Raupen-Schlupf mit tintenblauer Eikuppe

Raupe:
Die frisch geschlüpfte Raupe besitzt einen kugeligen rotbraunen Kopf. Das zweite Raupenstadium besitzt bereits die beiden typischen "Kopfhörner". Im Spätsommer verfärbt sich die Raupe gräulich und nimmt während des Herbstes/Winter, perfekt getarnt, in Baumrindenritzen oder an Astgabeln die Haltung eines trockenen Ästchens ein. Sie überwintert im 3. Raupenstadium. Im Frühling "erwacht die Raupe wieder zu Leben" und färbt sich synchron zum blätteraustreibenden Baum wieder grün. Die erwachsene grüne Raupe sitzt auf der Oberseite der Salweidenblätter und ist an einer gelblichen V-förmigen Zeichnung und ihren spitzen "Kopfhörnern" erkennbar.

 
 


Verschiedene Raupenstadien des Großen Schillerfalters
(Fotos: Jochen Rodenkirchen, verschiedene Raupen zwischen Ende April und Anfang Juni, xxl-Fotos per Fotoklick!)

Puppe:
Weißlichgrüne Stürzpuppe in der Färbung an die Blattunterseite eines Salweidenblattes erinnernd; flach; breit; mit 2 Spitzen am Kopfende; an der Futterpflanze

   

Puppe des Großen Schillerfalters (Fotos: Jochen Rodenkirchen, 14.05.2011 und 17.06.2010, xxl-Ansicht per Fotoklick!)


Ähnliche Arten:

Kleiner Schillerfalter (Apatura ilia): etwas kleiner; mit orange umringtem runden Fleck auf der Vorderflügel-Oberseite; weiße Diskalbinde auf der Hinterflügel-Oberseite ohne spitzen nach hinten gerichteten Zacken und an der Innenseite mit Einbuchtung (nicht gerade!)

Lebensraum
Zu den bevorzugten Lebensräumen des Großen Schillerfalters zählen Laubhochwälder/Mischwälder mit kleinen Lichtungen bzw. Schneisen oder Auenwälder der tiefen Lagen (je nach Literaturquelle bis 1100 - 1400 m), an deren Rändern die Nahrungspflanzen der Raupen (Weiden) wachsen. Nicht zu trockene Standorte mit Weidenbeständen in sonnigen und schattigen Lagen stellen ideale Lebensräume für Apatura iris dar. WEIDEMANN (1988) hat festgestellt, dass in der Nähe raupenbesetzter Salweiden oft hohe, alte Eichen stehen, die den Weibchen als "Ablageflugbasis" dienen.

Biologie und Lebensweise
Apatura iris bildet eine Generation mit einer Flugzeit von Mitte/Ende Juni bis Mitte August/Anfang September mit einem Gipfel Anfang Juli aus. Die Falter sind meist in den Baumkronen unterwegs und werden oft übersehen.
Die Eier werden in 1-2 m Höhe in schattigen Bereichen einzeln auf der Oberseite der Nahrungspflanzen-Blätter abgelegt. Die Raupen fressen in der Nähe der Blattspitzen und hinterlassen auf charakteristische Art das Blattgerippe und die Blattspitze.
Die Jungraupe überwintert angesponnen in einer Astgabel.

 
 

Männlicher Großer Schillerfalter an feuchter Erde saugend (Fotos: Axel Steiner, 12.07.2013, xxl-Fotos per Fotoklick!)

Die Männchen werden von extremen Gerüchen, wie z. B. tierischen Exkrementen, Schweiß, heißem Straßenteer oder Benzingeruch angelockt. Sie können wohl auch mit Pferdemist oder stinkendem Käse geködert werden (KOCH, 1966). Insbesondere Vormittags kann man auf feuchten Waldwegen in geeigneten Gebieten das Glück haben diesen eindrucksvollen Falter zu beobachten.
Zu seinen natürlichen Feinden zählen in erster Linie Vögel. Es gibt sogar in der Literatur Empfehlungen in Schillerfalter-Gebieten keine Meisenkästen aufzuhängen (BÜHLER-CORTESI, 2009).

Nahrung
Raupe: Als Nahrung der Raupen dienen die Blätter von Sal-Weide (Salix caprea), Grau-Weide (Salix cinerea) und Silber-Weide (Salix alba). Schwarz-Pappel (Populus nigra) und Zitter-Pappel (Populus tremula) kommen deutlich seltener ebenfalls als Nahrungsquellen in Frage.

Imago: Die Männchen saugen an Aas, Tierkot und nasser Erde, während die Weibchen Zucker in Form von Blattlaus-Honigtau-Ausscheidungen, Baumsaft verletzter Bäume oder Fruchtsaft zu sich nehmen.
Ein Blütenbesuch findet nur in Ausnahmefällen und dann ausschließlich bei Weibchen statt. Diese konnten an Wasserdost bzw. Kohldistel beobachtet werden (EBERT, 1993).

 
 

Männlicher Großer Schillerfalter an feuchter Erde saugend (Fotos: Axel Steiner, 12.07.2013, xxl-Fotos per Fotoklick!)

Verbreitung in D/Welt
Der Große Schillerfalter ist in Europa (südlich: bis N-Portugal und N-Spanien, nördlich: bis S-England, Dänemark und S-Schweden, Baltikum), NW-Kasachstan, S-Ural, Amur, NO-China und Korea verbreitet.

In der Roten Liste der bedrohten Schmetterlingsarten (REINHARDT & BOLZ, 2011) steht der Große Schillerfalter in Deutschland auf der Vorwarnliste (V) und wird dort mit folgenden Kriterien beschrieben: aktuelle Bestandssituation: häufig, langfristiger Bestandstrend: starker Rückgang, Kurzfristiger Bestandstrend: mäßige Abnahme oder Ausmaß unbekannt.



Weibchen des Großen Schillerfalters (Foto: Jochen Rodenkirchen, xxl-Ansicht per Fotoklick!)

Verbreitung in NRW
PÄHLER & DUDLER (2010) geben für Ostwestfalen-Lippe an, dass der Große Schillerfalter in größeren Waldgebieten des Weserberglandes weit verbreitet ist, in der Westfälischen Bucht nur selten und im Tiefland aktuell gar nicht zu finden ist.

In der Roten Liste der bedrohten Schmetterlingsarten (SCHUMACHER, 2010) steht der Große Schillerfalter in NRW auf der Vorwarnliste (V) und wird in den Großlandschaften mit folgenden Statusangaben geführt: Niederrheinisches Tiefland (1 = vom Aussterben bedroht), Niederrheinische Bucht (V), westfälische Bucht (3 = gefährdet)/Westfälisches Tiefland (1), Weserbergland (3), Eifel/Siebengebirge (* = ungefährdet), Bergisches Land (V), Sauer- und Siegerland (*)



Makro des Großen Schillerfalters (Foto: Jochen Rodenkirchen, 30.06.2010, xxl-Ansicht per Fotoklick!)

Nach Auskunft des Naturfotografen Jochen Rodenkirchen ist der Große Schillerfalter in der Ville in einem Waldgebiet zwischen Brühl und Liblar noch relativ häufig. Hier entstanden auch seine hier gezeigten Aufnahmen.

Benutzte Literatur
BÜHLER-CORTESI, T. (2009): Schmetterlinge. Tagfalter der Schweiz. Haupt-Verlag. 238 S.

EBERT, G. (HRSG.) (1993): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Bd. 2. Tagfalter II. Eugen Ulmer, Stuttgart. 535 S.

KOCH, M. (1966): Wir bestimmen Schmetterlinge - Tagfalter Deutschlands. Band 1, 4. Aufl. Neumann Verlag Radebeul.

NOVAK, I. & SEVERA, F. (1992): Der Kosmos-Schmetterlingsführer. 5., überarb. und verb. Aufl. Stuttgart: Franckh-Kosmos. 357 S.

PÄHLER, R. & H. DUDLER (2010): Die Schmetterlingsfauna von Ostwestfalen-Lippe und angrenzender Gebiete in Nordhessen und Südniedersachsen. Band 1. - Eigenverlag. 608 S. Verl

REINHARDT, R. & R. BOLZ (2011): Rote Liste und Gesamtartenliste der Tagfalter (Rhopalocera) (Lepidoptera: Pap ilionoidea et Hesperioidea) Deutschlands. Naturschutz und Biologische Vielfalt 73 (3)

RUCKSTUHL, T. (2002): Schmetterlinge und Raupen. Bestimmen - Kennenlernen - Schützen. Gondrom Verlag. Bindlach. 240 S.

SAUER, F. (1982): Raupe und Schmetterling nach Farbfotos erkannt. Sauers Naturführer. Fauna-Verlag, 184 S.

SCHUMACHER et al. (2010): Rote Liste und Artenverzeichnis der Schmetterlinge - Lepidoptera - in Nordrhein-Westfalen. 4. Fassung, Stand Juli 2010 pdf

TOLMAN, T. & R. LEWINGTON (2012): Schmetterlinge Europas und Nordwestafrikas. Alle Tagfalter - Über 2000 Arten. 2. Aufl. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart. 383 S.

WEIDEMANN, H-J. (1988): Tagfalter: Entwicklung - Lebensweise. Bd. 2 Biologie - Ökologie - Biotopschutz. Verlag Neumann-Neudamm GmbH - Melsungen.

WILLNER, W. (2012): Die Schmetterlinge Deutschlands in ihren Lebensräumen. Finden und Bestimmen. Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim. 288 S.


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Weitere Informationen zu Schmetterlingen (Lepidoptera) im Internet

Portal für Schmetterlinge und Raupen (Walter Schön): ca. 11.000 Fotos, ca. 1000 Artenportraits, Bestimmungshilfen, Infos, Kontakte, Links (Stand 07/2014)

Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V.: Infos, Kontakte, Links

Naturschutzbund (NABU) Nordrhein-Westfalen: TagfalterMonitoring in NRW, Kartieranleitung, Kommentierte Artenliste NRW, Infos...

Moths and Butterflies of Europe and North Africa: Diese italienische Seite in englischer Sprache zeigt jede Menge Fotos zu den Tag- und Nachtfaltern Europas.


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