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Blaues Ordensband - Catocala fraxini (LINNAEUS, 1758)
Artenprofil von Hans-Joachim Weigt
Letzte Änderung: 26.09.2012


Systematische Einordnung

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Eulenfalter (Noctuidae)
Unterfamilie:Ordensbänder (Catocalinae)

Fotos (© Hans-Joachim Weigt (2-4), Jochen Rodenkirchen (1,5))
Mittleres Ruhrtal bei Schwerte-Geisecke (2-4),
Eiaufzucht von Weibchen aus Düren (Drover Heide) (1, 5)


(xxl-Foto)
19.07.2012

(xxl-Foto)
Weibchen
16.08.2010

(xxl-Foto)
Weibchen
Schreckhaltung, Unterseite
19.08.2011
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich

(xxl-Foto)
Männchen
11.10.2009

(xxl-Foto)
19.07.2012
 
Besondere Merkmale

Insekten-ABC, Erklärungen von Fachbegriffen



Das namensgebende Blaue Band (Foto: Hans-Joachim Weigt)

Das Blaue Ordensband ist Europas größter Eulenfalter. Männliche und weibliche Imagines unterscheiden sich in Färbung und Flügelzeichnung nicht. Die Vorderflügel sind hell- oder dunkelgrau mit weißen Fransen und schwarzgrauer Wellenlinienzeichnung. Unter der Nierenmakel befindet sich ein weißer oder gelblicher Fleck. Daran kann man die Art sofort erkennen, auch wenn man die Hinterflügel nicht sieht. Die äußere Begrenzung des Mittelfeldes bildet eine scharf gezackte Doppelwellenlinie, die häufig gelblich-weiß ausgefüllt ist. Die Hinterflügel, ebenfalls mit weißen Fransen, sind tief schwarzblau und zeigen in der Flügelmitte eine mittelblaue leicht irisierende Binde. Unterseits sind alle Flügel weiß mit leichtem Blauschimmer. Schwarze Querbänder geben ihnen ein typisches Aussehen. Der Vorderkörper ist so grau wie die Vorderflügel, der Hinterleib schwarzblau mit blauen Segmeneinschnitte.

Flügelspannweite: Männliche Imagines haben eine Spannweite von 8-10 cm, die weiblichen sind meist etwas größer. Es wurden schon Tiere mit 12 cm Spannweite gefunden.



Eiablage an Pyramidenpappel am 20.08.2010, NRW, mittleres Ruhrtal bei Schwerte-Geisecke (Foto: Hans-Joachim Weigt)

Ei: Das längsgerippte Ei ist graubraun, halbkugelig und mit dunkelbraunen Querbändern versehen, die am Pol in eine Rosette übergehen. Es hat einen Durchmesser von etwa 1,3 mm und eine Höhe von 0,7 mm. Es wird einzeln, manchmal auch zu 3 bis 5 Stück an die Pappelrinde, oft in Spalten abgelegt. Es überwintert.




Raupe L2 lateral; NRW, mittleres Ruhrtal bei Schwerte-Geisecke Ende April 2011 (Zuchtfoto: Hans-Joachim Weigt, xxl-Foto)

Raupe: Die junge Raupe ist ungeheuer lebhaft und recht schnell. Das ist sinnvoll, weil sie einen recht weiten Weg bis zu den ersten Blättern zurücklegen muss. Sie ist in den ersten beiden Larvalstadien weißlichgrün mit feinen schwarzen Punktwarzen, auf denen je eine feine Borste steht.



Kopf der ausgewachsenen Raupe; mittleres Ruhrtal bei Schwerte-Geisecke Ende Mai 2011 (Zuchtfoto: Hans-Joachim Weigt)

Die ausgewachsene, etwa 10 cm lange sehr schlanke Raupe ist hellgrau und besitzt auf dem 8. Segment einen dunklen Höcker. Die Seiten sind auffallend beborstet, der Kopf auffällig gezeichnet. Wie alle Catocala-Raupen ist auch die fraxini-Raupe 16-füßig. Die Bauchfüße der Semente 6 und 7 sind jedoch deutlich kleiner.

   

Ausgewachsene tagsüber ruhende Raupe dorsal (links) und lateral (rechts) bei Schwerte-Geisecke Ende Mai 2011
(Zuchtfotos: Hans-Joachim Weigt, xxl-Fotos: 1, 2)





Puppen lateral und dorsal (dem Gespinst entnommen); NRW, mittleres Ruhrtal bei Schwerte-Geisecke Ende Juni 2011
(Zuchtfoto: Hans-Joachim Weigt, xxl-Foto)

Puppe: Die etwa 4 cm lange Puppe ist dunkelbraun und intensiv blau bepudert. Sie ist ausgesprochen lebhaft.

Lebensraum



Typischer Lebensraum: Auengebiet bei Schwerte-Geisecke am 15.07.2003 (Foto: Hans-Joachim Weigt, xxl-Foto)

Das Blaue Ordensband ist ein typischer Vertreter der Auen und Gewässerränder. Hier besiedelt die Art vor allem die stellenweise noch vorhandenen Schwarzpappeln. In reinen Hybridpappelbeständen tritt sie nicht auf. Das mag seinen Grund darin haben, dass diese Pappelart sehr klebrige Knospen hat, an denen die kleinen Raupen hängen bleiben wie an einem Fliegenfänger. In NRW wurde die Raupe dieser sehr seltenen Art nur an Pyramidenpappeln gefunden.

Biologie und Lebensweise
Das Blaue Ordensband gehört zu den absoluten Seltenheit im Lande, und auch in anderen Gegenden Mitteleuropas ist es zumeist selten. Die systematische Zerstörung der Flussauen ist hierfür sicherlich ebenso ursächlich wie die allerorts angebauten Hybridpappeln. Auch die geringe Bodenständigkeit der Art spielt hier eine Rolle. In ungestörten, zusagenden Lebensräumen können sich jedoch jahrlang stabile Populationen halten. Die Imagines sind nachtaktiv, aber auch am Tage flüchtig und scheu. Sie ernähren sich von ausfließenden Baumsäften und Blattlausablagerungen. Durch Lichtquellen werden sie nur wenig beeinflusst. Catocala fraxini lebt relativ lange. Das gibt dem Weibchen Zeit die Eier mehr oder weniger einzeln in einem sehr großen Gebiet abzulegen.



Gut getarnte weibliche Imago. NRW, mittleres Ruhrtal bei Schwerte-Geisecke, 19.08.2011 (Foto: Hans-Joachim Weigt, xxl-Foto)

Die überwinternden Eier entlassen die Raupen erst dann, wenn sich die ersten Pappelblättchen entfalten. Von April bis Juni sind sie dann tagsüber dicht an Zweigen angeschmiegt, zu finden. Durch ihre seitliche Beborstung und die graue Färbung verschmelzen sie förmlich mit dem Untergrund. Nahrung nehmen sie nur nachts auf.

   

Raupe lateral und dorsal (Fotos: Jochen Rodenkirchen, xxl-Fotos 1, 2, 17.06.2012)

Die Puppe ruht zwischen Blättern am Zweig. Die Raupen gehen also nicht wie die anderer Eulenarten in den Boden. Die Puppenzeit ist mit 6 bis 8 Wochen recht kurz.

Nahrung



Raupe des Blauen Ordensband (Foto: Jochen Rodenkirchen, xxl-Foto, 17.06.2012)

Wie bereits erwähnt, ist die Schwarzpappel (Populus nigra) die Hauptnahrungspflanze der Raupe. Andere Pappelarten oder Weiden werden nur bei der Zucht angenommen. Das gilt auch für andere Pflanzen wie Esche, Eiche, Erle oder Birke.

Verbreitung in D/Welt
Die Art kommt in Deutschland nur noch an wenigen Orten vor. Das gilt auch für das übrige Europa, wobei in den östlichen Gebieten die Populationen deutlich stärker sind.

Verbreitung in NRW
Laut Roter Liste und Artenverzeichnis der Schmetterlinge (Lepidoptera) - Eulenfalter (Noctuidae) - in Nordrhein-Westfalen (2011) gilt das Blaue Ordensband als hochgradig gefährdet. Es wurde deshalb in die Kategorie 1 = "vom Aussterben bedroht" eingestuft. Als "noch vorkommend" werden die Regionen Weserbergland und Sauer- u. Siegerland angegeben. Da die Art aber auch regelmäßig im mittleren Ruhrtal z. B. im MTB 4511 Schwerte gefunden wird, ist dies noch nachzutragen.

Weiterführende Literatur
Arbeitsgemeinschaft der rheinisch-westfälischen Entomologen Rote Liste der gefährdeten Schmetterlinge (Lepidoptera) in Nordrhein-Westfalen - Schriftenreihe (elektronisch) der Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten Recklinghausen.

BERGMANN, A. (1954): Die Großschmetterlinge Mitteldeutschlands, 4/2 Eulen. - Leipzig-Jena (Urania).

DÖRING, E. (1955): Zur Morphologie der Schmetterlingseier. - Berlin (Akademie-Verlag).

EBERT, G. -HERAUSGEBER- (1998): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs, Band 7 - Nachtfalter 5 - Stuttgart (Ulmer)

FORSTER, W. & WOHLFAHRT, Th. A. (1971): Die Schmetterlinge Mitteleuropas, Band IV, Eulen (Noctuidae) - Stuttgart (Franckh).

HOCK, W., KINKLER, H., LECHNER, R. et. Al (1997): Praxishandbuch Schmetterlingsschutz - LÖBF_Reihe Artenschutz, Band 1, Landesanstalt für Ökologie, Recklinghausen

KARSHOLT,O. & RAZOWSKI, J. (1996): The Lepidoptera of Europe. A Distributional Checklist - Stenstrup Danmark (Apollo Books)

KOCH, M. (1984): Wir bestimmen Schmetterlinge, Melsungen (Neumann).

LERAUT, P. (1980): Liste systematique et synonymique des Lepidopteres de France, Belgique et Corse. - Alexanpr, Paris.

NIPPE, B. (2000): Atlas der Raupen europäischer und kleinasiatischer Schmetterlinge- München

NOVAK, I. & SEVERA; F. (1992): Der Kosmos-Schmetterlingsführer- Stuttgart (Franckh)

SEITZ, A. (1913): Die Großschmetterlinge der Erde, I. Abteilung: Die Großschmetterlinge des Palaearctischen Faunengebietes, III. Band: Die eulenartigen Nachtfalter. - Stuttgart.

WEIGT, H.-J. (2009): Schmetterlinge im Kreis Unna - Naturförderungsgesellschaft für den Kreis Unna, Band 3, Bergkamen.


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Weitere Informationen zu Schmetterlingen (Lepidoptera) im Internet

Portal für Schmetterlinge und Raupen (Walter Schön): über 9000 Fotos, mehr als 850 Artenportraits, Bestimmungshilfen, Infos, Kontakte, Links (Stand 03/2012)

Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V.: Infos, Kontakte, Links

Moths and Butterflies of Europe and North Africa: Diese italienische Seite in englischer Sprache zeigt jede Menge Fotos zu den Tag- und Nachtfaltern Europas.


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