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Südliche Heidelibelle - Sympetrum meridionale (SELYS, 1841)
Artenprofil von H. Gospodinova & H.-W. Wünsch
(Letzte Änderung: 24.12.2013)


Systematische Einordnung

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Familie: Segellibellen (Libellulidae)
Gattung: Heidelibellen (Sympetrum)

Fotos (© H.-W. Wünsch)
Juntersdorfer Teiche bei Zülpich,
Bingenheimer Ried/Wetterau (Hessen)


(xxl-Foto)
Weibchen

(xxl-Foto)
Männchen
 
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich

(xxl-Foto)
Weibchen

(xxl-Foto)
Weibchen
 
Besondere Merkmale

Insekten-ABC, Erklärungen von Fachbegriffen

Erklärungen zum wissenschaftlichen Artnamen: "meridionale" leitet sich vom lateinischen "merides" für "südlich, zum Süden gehörend" ab. Der wissenschaftliche Name deutet somit, genauso wie der deutsche Name Südliche Heidelibelle, auf ihr Hauptverbreitungsgebiet im Süden Europas hin.



Vergleich der männlichen (unten) und weiblichen (oben) Südlichen Heidelibelle (Fotos: H.-W. Wünsch, xxl-Foto)

Die Südliche Heidelibelle weist gegenüber allen anderen Heidelibellenarten deutliche Unterscheidungsmerkmale auf. Sie ist eine mittelgroße Heidelibellenart und somit etwas kleiner als die Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum) und größer als die Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae).

Als bestes Bestimmungsmerkmal kann das Fehlen nahezu aller dunklen Nahtlinien an den Thoraxseiten der Tiere beiderlei Geschlechts herangezogen werden. Die Brustflanken wirken somit einfarbig und sind nicht schräg nach vorne durch schwarze Linien unterteilt. Die Stirnbinde (der schwarze "Nasenstrich"), der bei anderen Arten der Gattung "Sympetrum" als Bestimmungsmerkmal von Bedeutung ist, ist bei der Südlichen Heidelibelle nur sehr schmal ausgebildet. Die Flügeladern sind, ähnlich wie bei der Frühen Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii), insbesondere an ihrer Basis leicht orangerot gefärbt.

Jungtiere: Die Beine sind bereits bei den Jungtieren außen hellbraun und nur auf der Innenseite schwarz gefärbt.

Weibchen: Die Weibchen sind nahezu khakifarben, wodurch sie in trockenen Gräsern hervorragend getarnt sind.

Männchen: Das Abdomen der Männchen ist nach Erreichen der Geschlechtsreife hellrot und lässt seitlich, wie auch auf der Oberseite jegliche Schwarzanteile vermissen.

Körperlänge: 30-35 mm; Flügelspannweite: max. 65 mm


Übersicht aller in NRW vorkommenden Libellenarten der Gattung Sympetrum:


S. danae
Schwarze Heidelibelle



S. depressiusculum
Sumpf-Heidelibelle



S. flaveolum
Gefleckte Heidelibelle



S. fonscolombii
Frühe Heidelibelle



S. meridionale
Südliche Heidelibelle



S. pedemontanum
Gebänderte Heidelibelle



S. sanguineum
Blutrote Heidelibelle


S. striolatum
Große Heidelibelle


S. vulgatum
Gemeine Heidelibelle


Lebensraum
Sympetrum meridionale bevorzugt als Optimal-Habitat mittlere bis stark eutrophierte Gewässer mit starker Überwasservegetation. Hierzu zählen auch flachgründige kleine Teiche und Weiher mit gut ausgeprägter Ufervegetation. Als Sekundärhabitate werden Überschwemmungsflächen am Rande von Seen, flache Kiesgrubengewässer, gut durchwachsene Sümpfe und sogar sehr langsam fließende Wiesengräben besiedelt. In sehr seltenen Fällen wurde die Südliche Heidelibelle auch schon an Rändern von Mooren gefunden.



Männliche Südliche Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, xxl-Foto)

Über den Lebensraum der Larven ist der Wissenschaft noch nicht viel bekannt. Im Bezug auf die Auswahl der Habitate scheint für S. meridionale das Trockenfallen von zumindest partiellen Gebieten ihres Lebensraumes von ausschlaggebender Bedeutung zu sein. Beobachtungen von Eiablagen über trockenem Grund, ähnlich wie bei der Gefleckten Heidelibelle (Sympetrum flaveolum) sowie der Blutroten Heidelibelle (Sympetrum sanguineum) deuten verstärkt darauf hin.

Die Südliche Heidelibelle lebt gerne mit anderen Arten mediterranen Ursprungs, wie etwa der Frühen Heidelibelle (Sympetrum fonscolombii) der Gefleckten Heidelibelle (Sympetrum flaveolum) sowie Kleinlibellen wie der Südlichen Binsenjungfer (Lestes barbarus) und Edellibellen wie der Südlichen Mosaikjungfer (Aeshna affinis) vergesellschaftet. Alle genannten Arten sind, allein schon aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Namen sehr wärmeliebend und bevorzugen nahezu die gleichen Lebensräume.

Biologie und Lebensweise

Die Art hat ihre Flugzeit von Mitte Juni bis etwa Mitte September. In ihren ursprünglichen Herkunftsländern am Mittelmeer dürften die Tiere bereits im Mai schlüpfen. Ihre Aktivitäten entsprechen im Wesentlichen denen anderer sehr wärmeliebender Heidelibellenarten. Nach warmen Nächten brechen die Tiere bereits am Morgen zu Jagdflügen auf. Während der Mittagszeit fliegen die Männchen die Randzonen der Gewässer an um dort auf einfliegende Weibchen zu warten. Diese finden sich dort wenig später ein.



Tandem der Südlichen Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, xxl-Foto)

Von einer Sitzwarte aus werden die Weibchen von den Männchen ergriffen. Zunächst erfolgt ein Tandemflug in die nahe Vegetation. Dort kommt es zur eigentlichen Paarung, welche wie bei allen Libellen im klassischen "Paarungsrad" vollzogen wird.



Kopula (= Paarungsrad) der Südlichen Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, xxl-Foto)

Unmittelbar nach der Paarung fliegt das Pärchen zunächst wieder in Tandemformation in die Nähe des Gewässers, in dem das Weibchen dann mit der Eiablage beginnt. Nach einiger Zeit löst sich das Männchen vom Weibchen. Das Weibchen kann jedoch auch im Alleinflug insgesamt bis zu 500 Eier ablegen.



Weibliche Südliche Heidelibelle bei ihrer Eiablage (mit sichtbarem Ei!) im Flug (Foto: H.-W. Wünsch, xxl-Foto)

Bei plötzlich aufkommendem Wind oder zwischenzeitlicher Bewölkung stellt die Südliche Heidelibelle jede Flugaktivität ein und lässt sich in der bodennahen Vegetation nieder.

Nahrung
Adulte: Als eine mittelgroße Segellibelle verfügt Sympetrum meridionale über ein relativ breites Beutespektrum. Schnaken, Mücken, Fliegen, Zikaden und kleinere Falter werden im Flug erbeutet und sitzend vertilgt. Kleinlibellen verschiedener Arten gehören gleichermaßen zur Hauptnahrung wie kleine Käfer und auf Blättern lebende Insektenlarven, die im Sturzflug geschlagen werden.

Larven: Die räuberischen Larven leben von Wasserflöhen, Kaulquappen, Kleinkrebsen und anderen Insektenlarven.

Verbreitung in D/Welt

Als holomediterrane Art besiedelt Sympetrum meridionale Gebiete, die von den Mittelmeerländern, begünstigt durch Luftströmungen in Richtung Osten, bis zur Mongolei und Ostsibirien reichen. Aus dem Norden, aus Südengland, sind nur einzelne Streufunde bekannt. Dies sind nach wissenschaftlichen Angaben Beweise dafür, dass die Tiere über 2.000 Kilometer wandern können. Weiter nördlich fehlt die Art.



Weibliche Südliche Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, xxl-Foto)

Noch bis vor einigen Jahren wurde die Art in Deutschland als "Vermehrungsgast" angesehen, der in sehr heißen Sommern aus den Mittelmeerländern, vermutlich über die Alpen oder das Rhonetal, einflog. Somit galt die Südliche Heidelibelle als "Irrläufer". In Hessen ist die Art nachweislich seit 2010 bodenständig. Aus anderen Bundesländern wurden Funde gemeldet, welche jedoch als "kritische Einzelbeobachtungen" anzusehen sind, wobei nicht auszuschließen ist, dass es sich hierbei um Verwechslungen mit anderen Heidelibellenarten handelt.

Verbreitung in NRW
Ein Nachweis von Sympetrum meridionale ist auch in Nordrhein-Westfalen nur schwer zu erbringen. Die Tiere mischen sich in relativ kleiner Abundanz (= Häufigkeit) unter zahlreiche Vorkommen der hier häufigen Heidelibellenarten wie der Großen Heidelibelle (Sympetrum striolatum), der Gemeinen Heidelibelle (Sympetrum vulgatum) und der Blutroten Heidelibelle (Sympetrum sanguineum). Selbst unter inselartigen Vorkommen wie der Sumpf-Heidelibelle (Sympetrum depressiusculum) kann man mit Glück einige Exemplare der Südlichen Heidelibelle (Sympetrum meridionale) finden.



Männliche Südliche Heidelibelle (Foto: H.-W. Wünsch, xxl-Foto)

Abweichend zu den Flugzeitangaben in der Literatur gelang den Autoren der von Experten bestätigte Erstnachweis der Art am 1. November 2011 (!) an einem Optimal-Habitat in der Zülpicher Börde, einem Südausläufer der Kölner Bucht. Im Jahr 2010 konnten die Verfasser dieses Artenprofils einige Exemplare im Münsterland in den Monaten Juli und August beobachten und dokumentieren. Der Nachweis einer erfolgreichen Reproduktion von Sympetrum meridionale in NRW steht bis heute noch aus. Dies ist mitunter darauf zurückzuführen, dass die Exuvien der Art von anderen Heidelibellenarten so gut wie nicht zu unterscheiden sind.

Benutzte Literatur
BELLMANN, H. (2007): Der Kosmos Libellenführer: Die Arten Mitteleuropas sicher bestimmen. Kosmos (Franckh-Kosmos). 279 S.

DIJKSTRA, K.-D. B. (2006): Field Guide to the dragonflies of Britain and Europe. British Wildlife Publishing Ltd. 320 S.

GERKEN, B. & K. STERNBERG (1999): Die Exuvien europäischer Libellen - The exuviae of european dragonflies. Höxter, Jena: Arnika & Eisvogel. ISBN 3-9805700-4-5.

GESELLSCHAFT DEUTSCHSPRACHIGER ODANOTOLOGEN (GDO) : Libellula: Libellen Deutschlands Band 1 "Bibliotheca odonatorum Germaniae"

GESELLSCHAFT DEUTSCHSPRACHIGER ODANOTOLOGEN (GDO) (2009): Libellula Supplement 9: Atlas of the Odonata of the Mediterranean and North Africa. S. 205 ff.

GESELLSCHAFT DEUTSCHSPRACHIGER ODANOTOLOGEN (GDO) (2010): Libellula, Supplement 10, Studien zur Libellenfauna Griechenlands. Seite 120 ff.

HEIDEMANN, H. & R. SEIDENBUSCH (2002): Die Libellenlarven Deutschlands Handbuch für Exuviensammler, Goecke & Evers, ISBN 3-931374-07-6

GLITZ, D. (2009): Libellen-Geländeschlüssel für Rheinland-Pfalz und das Saarland.

GLITZ, D. (2012): Libellen in Norddeutschland, ein Geländeschlüssel.

HILL, B., H.-J. ROLAND, S. STÜBING & C. GESKE (2011): Atlas der Libellen Hessens. FENA Wissen, Band 1: 184 S.; S. 152 ff.

KUHN, K. & K. BURBACH (1998): Libellen in Bayern. Eugen Ulmer, Stuttgart. S. 176 ff

STERNBERG, K. & R. BUCHWALD (2000): Libellen Baden-Württembergs, Bd. 2, Großlibellen (Anisoptera). Ulmer Verlag. 534 ff.

Internet: www.waldschrat-online.de:: H. Gospodinova & H.-W. Wünsch: H.- W. Wünsch & H. Gospodinova: Homepage sowie die CD-ROM, Libellen Nordrhein-Westfalens, Band 1, Großlibellen, 3. aktualisierte Auflage 2011.

WENDLER, A. & NÜß, J.-H. (1991): Libellen: Bestimmung, Verbreitung, Lebensräume und Gefährdung aller Arten Nord- und Mitteleuropas sowie Frankreichs unter besonderer Berücksichtigung Deutschlands und der Schweiz. - Hamburg: DJN 1991, 129 S.


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Weitere Informationen zu Libellen (Odonata) im Internet

Arbeitskreises zum Schutz und zur Kartierung der Libellen in Nordrhein-Westfalen: Infos, Kontakte, Fotos, Links, Artenliste

www.libellenwissen.de: Sehr viele Informationen über Libellen, Bestimmungshilfen, Fotogalerien uvm. von Andreas Thomas Hein

Schutzgemeinschaft Libellen in Baden-Württemberg e.V. (SGL): Infos, Kontakte, Fotos, Links, Artenliste, Kartierung, Biologie, Ökologie usw.


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