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Kleiner Blaupfeil - Orthetrum coerulescens (FABRICIUS, 1798)
Artenprofil von Karsten Lange


Systematische Einordnung

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Familie: Segellibellen (Libellulidae)

Fotos (© Anne Giebing)
Bocholt


(xxl-Foto)
Männchen
26.07.2007

(xxl-Foto)
Weibchen
26.07.2007

(xxl-Foto)
Weibchen
26.07.2007
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich
     
Besondere Merkmale

Insekten-ABC, Erklärungen von Fachbegriffen




Kleiner Blaupfeil (Orthetrum coerulescens): oben Männchen, unten Weibchen (Fotos: © Anne Giebing)


Das Männchen dieser seltenen und gefährdeten Art hat einen dunkelbraunen Thorax mit grau-gelblichen Antehumeralstreifen, der Hinterleib ist blau bereift (bei einigen Individuen auch ein Teil des Thorax). Die Färbung der Weibchen (und jungen, noch nicht ausgefärbten Männchen) ist leuchtend gelbbraun, bei älteren Weibchen geht diese Färbung ins Dunkelolivbraune über.

Ähnliche Arten:
Andere Blaupfeilarten.
Die graugelben Antehumeralstreifen hat nur O. coerulescens, das Flügelmal ist ockergelb. Bei O. cancellatum (Großer Blaupfeil) und O. albistylum (Östlicher Blaupfeil) ist es hingegen schwarzbraun.
Die Weibchen von O. coerulescens und O. brunneum sind äußerst schwer zu unterscheiden, coerulescens ist etwas zarter gebaut und hat eine braunere Grundfärbung, außerdem differiert die Flügeladerung. Siehe auch die untere Abbildung!



O. brunneum und O. cancellatum haben an der gekennzeichneten Stelle eine zweite Flügelzellenzeile, die O. coerulescens meist fehlt! Zellverdoppelungen können lediglich im Vorderflügel auftreten, jedoch selten mehr als 4. Es sollten daher immer alle 4 Flügel betrachtet werden (Mitteilung von Bernd F. Cegielka). Oben der Hinterflügel des Großen Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), unten der Vorderflügel des Kleinen Blaupfeil (Orthetrum coerulescens) (Fotos: © oben: Fredi Kasparek, unten: Anne Giebing)


Körperlänge: 40-45 mm mm
Flügelspannweite: 60-70 mm

Larve/Exuvie (Angaben aus BELLMANN 2007): Plumpe Larve mit Analpyramide aus 5 Dornen > Fangmaske gewölbt, Fanghaken dreieckig mit fein gewelltem Rand und kurzem, beweglichen Zahn > Kopf hinter den Augen breit > Segment 7 und 8 ohne Dorsaldornen > Körperlänge bis 20 mm lang. Abdomen ohne auffällige Zeichnung > Pronotum ohne auffallendes Längsband.

Lebensraum
Bevorzugt an Quellaustritten (Quellmoore) und langsam fließenden Bächen und Gräben, selten auch an Kiesteichen (hier manchmal gemeinsam mit dem Südlichen Blaupfeil (Orthetrum brunneum), von dem die Weibchen kaum, die Männchen nur schwer zu unterscheiden sind).

Biologie und Lebensweise
Die Männchen dieser Art sonnen sich (wie bei anderen Blaupfeil-Arten auch) gern in Ufernähe auf Steinen oder auf Pflanzenteilen (die Männchen von O. brunneum sitzen fast ausschließlich am Boden). Das "Paarungstandem" bildet sich in der Luft und beendet die Paarung am Boden. Anschließend fliegen beide Partner zum Wasser; das Männchen bewacht das Weibchen bei der Eiablage, die mit wippenden Bewegungen des Unterleibs über dem Wasser erfolgt. Bei Besatz des Gewässers mit Dreistacheligen Stichlingen werden die Eier vom Weibchen interessanterweise über einen größeren Bereich verteilt abgelegt als über Teichen ohne Stichlinge. Vermutlich wird auf diese Weise der Verlust durch Fischfraß minimiert.

Flugzeit: Mai bis August

Nahrung
Über die Lebensweise der Larven ist wenig bekannt, vermutlich erbeuten sie aber kleine Wasserinsekten und deren Larven. Die Imagines erbeuten bei kurzen Jagdflügen meist Köcherfliegen, Mücken, Steinfliegen etc., wobei sie als typische "Ansitzjäger" nach den Jagdflügen stets auf den bevorzugten Sitzplatz zurückkehren und ihn gegen andere Libellen verteidigen.

Verbreitung in D/Welt
In West- und Mitteleuropa (inkl. Großbritannien) ist die Art weit verbreitet und die Vorkommen reichen bis Nordindien. Größere Höhen werden zwar gemieden, in Oberschwaben wurde die Art aber noch in 930 m Höhe gefunden, vereinzelt sogar bis zu 1540 m ü. NN in Bayern. In der Roten Liste der bedrohten Tierarten Deutschlands (1998) wird der Kleine Blaupfeil mit dem RL-Status 2 = stark gefährdet geführt.

Verbreitung in NRW
In der Roten Liste der bedrohten Tierarten NRWs (1999) wird der Kleine Blaupfeil ebenfalls mit dem RL-Status 2 = stark gefährdet geführt. Im Ballungsraum Ruhrgebiet konnte die Art gar nicht nachgewiesen werden. In anderen Großräumen NRWs schwankt der Status von 3 = gefährdet, über 1 = vom Aussterben bedroht bis hin zu R = durch extreme Seltenheit gefährdet. Die Entwicklungstendenz der seltenen Art geht dabei eher nach unten.

Eine Übersicht über die Fundpunkte in NRW zeigt die Verbreitungskarte des Kleinen Blaupfeils des Arbeitskreises zum Schutz und zur Kartierung der Libellen in Nordrhein-Westfalen.

Benutzte Literatur
BELLMANN, H. (2007): Der Kosmos Libellenführer - Die Arten Mitteleuropas sicher bestimmen. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart, 279 S.

JURITZA, G. (2000): "Der Kosmos Libellenführer", Kosmos Verlag, 191 S.

STERNBERG, K. & R. BUCHWALD (2000): "Die Libellen Baden-Württembergs", Bd. 2, Verlag Eugen Ulmer, 712 S.


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Weitere Informationen zu Libellen (Odonata) im Internet

Arbeitskreises zum Schutz und zur Kartierung der Libellen in Nordrhein-Westfalen: Infos, Kontakte, Fotos, Links, Artenliste

Schutzgemeinschaft Libellen in Baden-Württemberg e.V. (SGL): Infos, Kontakte, Fotos, Links, Artenliste, Kartierung, Biologie, Ökologie usw.


Zur Linkliste weiterer interessanter Libellen-Internetseiten auf www.natur-in-nrw.de