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Braune Mosaikjungfer - Aeshna grandis (LINNAEUS, 1758)
Artenprofil von Heide Gospodinova & H.-Willi Wünsch
Letzte Änderung: 11.11.2015


Systematische Einordnung

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Unterordnung:Großlibellen (Anisoptera)
Familie: Edellibellen (Aeshnidae)
Gattung: Mosaikjungfern (Aeshna)

Fotos (© Heide Gospodinova (1) & H.-Willi Wünsch (2-3))
Stemwede/Kreis Minden-Lübbecke (1), Frechen (2), Stemwede (3)


(xxl-Foto)
03.09.2011
Männchen

(xxl-Foto)
14.08.2013
Weibchen

(xxl-Foto)
27.08.2012
Männchen
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich
     
Besondere Merkmale

Insekten-ABC, Erklärungen von Fachbegriffen

Die Braune Mosaikjungfer (Aeshna grandis) ist etwas größer als die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) und etwas kleiner als die Große Königslibelle (Anax imperator). Die Männchen wiegen trotz ihrer Größe lediglich 0,69 Gramm während die Weibchen bis 0,95 Gramm schwer werden.
Thorax und Abdomen der Art weisen einen einheitlich braunen, schokoladenfarbenen Grundton auf, der bei den männlichen Tieren mit blauen Flecken an der Flugmuskulatur, der Oberseite des 2. Hinterleibssegmentes, sowie an den Flanken der Abdominalsegmente 3 bis 7 erkennbar sind. Die Männchen besitzen außerdem blauschimmernde Augen. Im Bereich des 2. Hinterleibssegmentes ist eine Taillierung erkennbar.



oben Männchen (Foto: H. Gospodinova), unten Weibchen (Foto: J. Rodenkirchen) der Braunen Mosaikjungfer (Aeshna grandis)


Körperlänge: ca. 8 cm
Flügelspannweite: 9,5 - 10,5 cm

Die Weibchen sind kräftiger gebaut als die Männchen. Bei ihnen sind die Augen braun. Die besitzen keinerlei Blauanteile, stattdessen sind an den Thorax- und Hinterleibsseiten gelbe Zeichnungen vorhanden. Bei Jungtieren sind die Flügel noch relativ farblos. Bis zum Erreichen der Geschlechtsreife färben sich diese vollständig braun.

 

Weibliche Jungtiere der Braunen Mosaikjungfer (Aeshna grandis)
(Fotos links: H. Gospodinova, 20.07.2013, rechts: H.-W. Wünsch, 13.07.2013, xxl-Fotos bei Bildklick)


Larve (Beschreibung nach BELLMANN 2007): Plumpe Larve mit Analpyramide aus 5 Dornen > Fühler fadenförmig, 6-7-gliedrig, Körper langgestreckt > Augen größer als die Hälfte vom Seitenrand des Kopfes > Cerci kürzer als die Hälfte der Analpyramide > Fangmaske breit, ca. 2-2,5-mal so lang wie an der schmalsten Stelle breit > Lateraldorne des 9. Segments länger als die Hälfte von Segment 10 > Abdomen mit paarigen, dunklen Dorsalflecken


Verwechslungsart:

Keilfleck-Mosaikjungfer (Aeshna isoceles): glasklare Flügel und leuchtend grüne Augen



Verwechslungsart: Männliche Keilfleck-Mosaikjungfer (Foto: H.-W. Wünsch, 20.06.2013, xxl-Foto bei Bildklick)

Lebensraum
Aeshna grandis galt ursprünglich als eine Bewohnerin von Waldweihern. Heute weiß man, dass diese Edellibellenart ein weites Spektrum stehender und sehr langsam fließender Gewässer besiedelt. Dabei ist den meisten Habitaten eine recht gut entwickelte Verlandungszone mit Vorkommen von Schwimmblattvegetation gemeinsam.



Lebensräume der Braunen Mosaikjungfer
(Fotos: J. Rodenkirchen, Obersee (u. l.) und Dinnendahlsee bei Erftstadt, xxl-Foto bei Bildklick)

Als für die Reproduktion erfolgreiche Gewässertypen werden in der aktuellen Literatur flache Teiche, Weiher, Seen, Altwasser sowie Sumpf- und Moorgewässer angegeben. Da die Art ihr Refugium nach letzten Erkenntnissen auch auf Fließgewässer ausgedehnt hat, sind zusätzlich noch Gräben, Bäche und Kanäle mit sehr langsamer Fließgeschwindigkeit und ausreichender submerser sowie emerser Vegetation zu nennen. In allen Fällen scheint jedoch eine wenige Hundert Meter bis einige Kilometer entfernte gehölz- oder waldreiche Landschaft unverzichtbar zu sein.

Biologie und Lebensweise



Seitenansicht einer männlichen Braunen Mosaikjungfer (Foto: J. Rodenkirchen, xxl-Foto bei Bildklick)

Die Braune Mosaikjungfer gilt als Einzelgänger, nicht sehr ortstreu und fliegt als ausgezeichneter Dauerflieger weit umher. Der Flug der Art wirkt präzise und ist sehr ruhig und elegant. Sie fliegt höher als alle anderen Edellibellenarten; in Höhen zwischen 5 und 25 Metern. Dabei kann sie mit wenigen Flügelschlägen an Höhe gewinnen und dann energiesparend im Gleitflug weite Strecken zurücklegen. Beobachtungen zeigen, dass die Braune Mosaikjungfer an Gräben, die beiderseits windgeschützt von Böschungen umgeben sind, entgegen ihren sonstigen Gewohnheiten, eine Flughöhe von 1 bis 2 m einhalten.



Aufsicht auf ein Männchen der Braunen Mosaikjungfer (Foto: J. Rodenkirchen, xxl-Foto bei Bildklick)

Die Männchen sind untereinander wenig aggressiv. Tagsüber ruhen sie selten und wenn, dann nur für wenige Augenblicke an Sträuchern oder Hochstaudenfluren, meist dicht über dem Boden. Die beste Zeit sie bei längeren Ruhepausen zu beobachten, bietet sich am Vormittag, wenn die Tiere ihr erstes Sonnenbad nehmen.



Makroaufnahme einer weiblichen Braunen Mosaikjungfer (Foto: J. Rodenkirchen, 06.08.2009, xxl-Foto bei Bildklick)

Aeshna grandis gilt als ausgesprochener Dämmerungsjäger. Ihre Jagdflüge beginnen am späten Nachmittag und dauern bis zum Einbruch der Dunkelheit. Dabei kann noch bis Temperaturen von 12° C und bei Nieselregen geflogen werden. Auf diese Weise ist die Art in der Lage eine energetische Grundlage zur Überwindung von Hungerphasen bei einer Schlechtwetterperiode zu schaffen.



Makro einer männlichen Braunen Mosaikjungfer
(Foto: J. Rodenkirchen, xxl-Foto bei Bildklick)

Bei der Jagd können viele Taktiken Anwendung finden. An kühlen Tagen, wenn kleine Beuteinsekten nicht fliegen, steuern die großen Edellibellen dichte Brennnesselfelder an um die dort sitzende Beute aufzuscheuchen und dann zu fangen. In der Dämmerung werden Lichtquellen angeflogen, welche bereits zuvor Nachtfalter oder Motten angezogen haben. Diese werden dann zur leichten Beute.

Es wird sogar von Beobachtungen berichtet, dass Aeshna grandis winzig kleine Jungfrösche vom Boden absammelten und diese verspeisten. Aufgrund der übermäßigen Nahrungsaufnahme seien sie kaum noch in der Lage gewesen zu fliegen
(STERNBERG & BUCHWALD, 1999).
Das Paarungsverhalten der Braunen Mosaikjungfer unterscheidet sich nicht sonderlich von jenem anderer Aeshnidae. Da die Populationen der Art nie sehr dicht sind, dehnen sich die Suchflüge der Männchen an den Gewässern entsprechend weit aus. Wird ein paarungswilliges Weibchen entdeckt, wird es ergriffen und in die nahe Vegetation "entführt", wo es zur eigentlichen Paarung im Sitzen kommt. Danach geht das Weibchen zur Eiablage über. Es wird, wie bei Edellibellen üblich, dabei vom Männchen nicht bewacht.

 
 
 
 

Emergenz einer männlichen Braunen Mosaikjungfer (Fotos: H.-Willi Wünsch, 21.07.2013, xxl-Fotos bei Bildklick)

Zur Eiablage wählt das Weibchen zumeist dichte Vegetation direkt am oder über dem Wasser. An dieser klettert es rücklings hinunter und taucht mit dem Abdomen soweit ins Wasser, bis es die Hinterflügel erreicht. Nun werden die Eier in das Pflanzensubstrat eingestochen. Dabei schlägt das Weibchen heftig mit den Flügeln, wobei ein charakteristisches Rascheln zu hören ist.



Eiablage einer weiblichen Braunen Mosaikjungfer (Foto: H. Gospodinova, 15.08.2013, xxl-Foto bei Bildklick)

Auf diese Weise kann dem erfahrenen Libellenbeobachter der Ort der Eiablage verraten werden. Da die Eier recht spät im Jahr abgelegt werden, überwintern sie als solche. Im darauffolgenden Frühjahr schlüpfen die Larven, die sich in ihrer Entwicklungszeit von 2 bis 3 Jahren relativ träge zwischen Wasserpflanzen verstecken und dort jagen.

Nahrung
Als große Libellenart verfügt Aeshna grandis über ein breit gefächertes Nahrungsspektrum wie im Kapitel "Biologie und Lebensweise" schon beschrieben wurde. Während man bei diesen Beobachtungen jedoch von Ausnahmefällen sprechen muss, besteht die Hauptnahrung aus Fliegen, Mücken, gelegentlich einem Schmetterling und anderen Kleininsekten, die im Flug erbeutet werden. Gelegentlich werden andere Libellen Beute der Braunen Mosaikjungfer. Darunter fallen diverse Heidelibellenarten (Gattung Sympetrum) oder gar Edellibellen wie die Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta). Auch wehrhafte Insekten wie Faltenwespen werden erbeutet.



Weibliche Braune Mosaikjungfer am Morgen (Foto: J. Rodenkirchen, 06.08.2009, xxl-Foto bei Bildklick)

Die Larven ernähren sich vorwiegend von Röhrenwürmern, Eintags-, Köcherfliegen und Zuckmückenlarven. Blutegel werden ebenfalls nicht verschmäht. Eine schlechte Ernährungslage führt zu kleinwüchsigen Larven, die dann auch kleinere Imagines hervorbringen.

Verbreitung in D/Welt
Das Verbreitungsgebiet von Aeshna grandis erstreckt sich von Irland und Großbritannien über ganz Mittel- und Nordeuropa und erreicht seine Grenze erst in der mittelsibirischen Baikalregion. Als westpaläarktisches Faunenelement fehlt sie in Nordafrika und fast allen Mittelmeerländern. Ein isoliertes Vorkommen, welches zugleich auch das südlichste ist, befindet sich in den Pyrenäen. Aus Norditalien und Slowenien sind Einzelfunde bekannt. Dagegen reicht ihr Verbreitungsgebiet im Norden bis an den Polarkreis.



Weibliche Braune Mosaikjungfer (Foto: J. Rodenkirchen, 06.08.2009, xxl-Foto bei Bildklick)

In Norddeutschland ist die Art an vielen Gewässertypen bodenständig. Hierzu zählen Krebsscherenteiche in Niedersachsen und einigen Provinzen der nördlichen Niederlande, ausgedehnte Moorlandschaften wie das "Pietzmoor" bei Schneverdingen sowie klassische Heideflüsse in der Lüneburger Heide wie beispielsweise die "Örtze" oder die "Ilmenau". Aus dem Süden Deutschlands sind Funde aus etwa vergleichbaren Habitaten bekannt.

In der bereits etwas betagten deutschen Roten Liste der Libellenarten aus dem Jahre 1998 wird die Art in der Vorwarnstufe geführt. Sie ist jedoch aus allen Bundesländern gemeldet und immerhin in 9 Bundesländern als ungefährdet eingestuft (www.libelleninfo.de).

Verbreitung in NRW
Die Braune Mosaikjungfer ist in unserem Bundesland in Ausbreitung begriffen. Stabile Populationen mit guten Beobachtungsmöglichkeiten finden sich bei den Villeseen nördlich der Stadt Brühl. In renaturierten, ehemaligen Braunkohletagebauen im Erftkreis bei Frechen konnten aktuell die ersten Fortpflanzungsaktivitäten der Art dokumentiert werden.

Sie fliegt weiterhin an einigen Gewässern in der Voreifel an der Grenze zu Rheinland-Pfalz. Einer ihrer Verbreitungsschwerpunkte befindet sich an den weitläufigen Grabensystemen zwischen den Feldern und Wäldern bei Stemwede, nahe Osnabrück.

In der aktuellen Roten Liste der Libellenarten NRWs (2011) wird die Braune Mosaikjungfer in der Kategorie 3 = gefährdet geführt. Für das nordrhein-westfälische Bergland liegen bisdato noch keine Fundmeldungen vor.



Makro einer weiblichen Braunen Mosaikjungfer
(Foto: J. Rodenkirchen, 05.08.2009, xxl-Foto bei Bildklick)

Benutzte Literatur
ARBEITSKREIS LIBELLEN NRW, K.-J. CONZE, N. GRÖNHAGEN unter Mitarbeit von E. BAIERL, A. BARKOW, L. BEHLE, N. MENKE, M. OLTHOFF, E. LISGES, M. LOHR, M. SCHLÜPMANN & E. SCHMIDT (2011): Rote Liste und Artenverzeichnis der Libellen - Odonata - in Nordrhein-Westfalen. 4. Fassung, Stand April 2010, pdf

BELLMANN, H. (2007): Der Kosmos Libellenführer: Die Arten Mitteleuropas sicher bestimmen. Kosmos (Franckh-Kosmos). 279 S.

BROCHARD, C.; D. CROENENDIJK; E. VAN DER PLOEG; T. TERMAAT: Fotogids Larvenhuidjes van Libellen. KNNV Uitgeverij, Zeist

DIJKSTRA, K.-D. B. (2006): Field Guide to the dragonflies of Britain and Europe. British Wildlife Publishing Ltd. 320 S.

GLITZ, D. (2012): Libellen in Norddeutschland. Ein Geländeschlüssel. Buch u. DVD.

OTT, J. & W. PIPER (1998): Rote Liste der Libellen (Odonata). In: Binot, M., R. Bless, P. Boye, H. Gruttke & P. Pretscher: Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands. Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Schr.-R. Landschaftspfl. u. Natursch. 55: 260-263

PETERS, G. (1987): Die Edellibellen Europas Aeshnidae. Die Neue Brehm-Bücherei Bd. 585

STERNBERG, K. & R. BUCHWALD (2000): Libellen Baden-Württembergs, Bd. 2, Großlibellen (Anisoptera). Ulmer Verlag. 712 S

WILDERMUTH, H. & A. MARTENS (2014): Taschenlexikon der Libellen Europas. Alle Arten von den Azoren bis zum Ural im Porträt. 824 Seiten, Quelle & Meyer Verlag GmbH & Co. Wiebelsheim

WÜNSCH, H.-W. & H. GOSPODINOVA (2014): Die Libellen Nordrhein-Westfalens und darüber hinaus. CD-ROM, Band 1 & 2, NIBUK-Verlag, Verlag Waldschrat-online.de


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Weitere Informationen zu Libellen (Odonata) im Internet

Arbeitskreises zum Schutz und zur Kartierung der Libellen in Nordrhein-Westfalen: Infos, Kontakte, Fotos, Links, Artenliste

Schutzgemeinschaft Libellen in Baden-Württemberg e.V. (SGL): Infos, Kontakte, Fotos, Links, Artenliste, Kartierung, Biologie, Ökologie usw.

www.waldschrat-online.de: Libellen und andere Artengruppen Nordrhein-Westfalens in Bild und Text (mit Schwerpunkt NSG Wahner Heide bei Köln)


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