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Hornisse - Vespa crabro LINNAEUS, 1758
Artenprofil von Beat Weisskopf
Letzte Änderung: 18.04.2015


Systematische Einordnung

Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Familie: Echte Wespen (Vespidae)

Fotos (© Axel Steiner 1-7, Beat Weisskopf 8-9)
Sprockhövel (1-7, Mühlethurnen/Schweiz 8-9)


(xxl-Foto)
Arbeiterin
27.09.2006

(xxl-Foto)
Wächterin
27.09.2006

(xxl-Foto)
Drohn
27.09.2006
Klick auf die kleinen Bilder oder xxl-Ansicht möglich
                      
(xxl-Foto)        (xxl-Foto)        (xxl-Foto)
27.09.2006      27.09.2006      27.09.2006

(xxl-Foto)
Nest im Birnbaum
27.09.2006

(xxl-Foto)
Nest/Wabe

(xxl-Foto)
schlüpfende Arbeiterin
Besondere Merkmale

Insekten-ABC, Erklärungen von Fachbegriffen

Die hervorstechendsten beiden Merkmale dieser grössten mitteleuropäischen Wespenart, die gerne auch als "Adler unter den Insekten" bezeichnet wird, sind wohl ihre beachtliche Grösse von gut 3 cm und der relativ tiefe, brummende Ton beim Flug.
Der Kopf weist keinerlei Gesichtszeichnung auf, jedoch ist er an den Wangen und am Scheitel kupferrot gefärbt.




Der Hinterleib weist die typische schwarz-gelbe Wespenfärbung auf, jedoch versehen mit 2 Reihen tropfenählicher Zeichnungen. Die Segmentierung beträgt beim Weibchen 6, beim Männchen 7 Tergite. Ferner weisen die Fühler der Männchen 13 Fühlerglieder, die der Arbeiterinnen/Königinnen nur 12. Weibchen haben einen Stachel, bei Drohnen fehlt der; an seiner Stelle befinden sich die männlichen Geschlechtsorgane. Drohnen können also nicht stechen!


Drohn mit gespreizten Flügeln (Foto © Beat Weisskopf)


Körperlänge: Arbeiterin: 15-25 mm, Drohn: 20-30 mm, Königin: 25-35 mm

Gewicht: ca. 1 Gramm

Lebensraum
Hornissen sind sowohl in offenen Mischwäldern, als auch in Parklandschaften und im menschlichen Siedlungsbereich heimisch. Ihre Nester errichten sie gerne in hohlen Bäumen, aber auch Vogel- und Fledermaus-Nistkästen werden gerne zur Staatengründung angenommen. Ebenso findet man ihre kunstvollen Bauten manchmal in Schuppen, Rollladenkästen und auf Dachböden.
Unter den sozialen Faltenwespen kann die Hornisse als die Charakterart gesunder, mit Altbaumbestand durchsetzter Streuobstbestände bezeichnet werden (JAKUBZIK & CÖLLN in Stechimmen in Nordrhein-Westfalen 2004).

Biologie und Lebensweise
Das Leben eines Hornissenstaates spielt sich innerhalb von 6 Monaten ab.
Die Königin ist quasi das 'Herz' des Staates, denn sie ist die Einzige des Volkes die den Winter überlebt hat. Sie beginnt ab Anfang Mai mit dem Nestbau und die fertigen Zellen werden auch sogleich mit Eiern belegt. Anfang Juni schlüpfen dann die ersten Arbeiterinnen, die sofort den Weiterbau, die Jagd und die Fütterung der Larven übernehmen.


Bei starker Hitze und Gefährdung der Waben/Brut fächeln die Arbeiterinnen mit ihren
Flügeln um für Kühlung zu sorgen (Foto © Axel Steiner).


Sobald dies geschehen ist bleibt die Königin nur noch im Bau und widmet sich voll und ganz dem Eierlegen. Im Hochsommer - je nach Witterung und Futterangebot - kann eine Königin bis zu 40 befruchtete Eier am Tag produzieren. Arbeiterinnen können - falls die Königin (Stockmutter) verloren geht - zwar auch Eier legen, doch die sind unbefruchtet und bringen nur Männchen (Drohne) hervor. Bei Honigbienen können aus vorhandenen Junglarven (wenn vorhanden) gleich einige neue Königinnen nachgezogen werden, dies ist aber bei Hornissen nicht möglich. Ein Volk ohne Königin stirbt deshalb nach wenigen Wochen.


Ungeborene Hornisse (Foto © Beat Weisskopf)


Ein Hornissenvolk besteht aus 100-600 Tieren, im Extremfall können es sogar bis zu 800 (bis 1000) sein. Ein solches Nest kann bis zu 60 cm hoch sein.

Hornissen sind äusserst friedliebend, dementsprechend in keinster Weise angriffslustig und stechen nur im äussersten Notfall, z. B. um ihr Nest zu verteidigen! Die Stärke des Giftes von Hornissen und die bei einem Stich empfundenen Symptome wie Schmerzintensität und -dauer, Juckreiz und Brennen sind ähnlich dem eines Wespenstiches (Vespula spec.). Selbst mehrere Stiche können einem gesunden Menschen nicht schaden. Allergiker bilden da die Ausnahme!

Lebensdauer:
Arbeiterin: 3-4 Wochen
Drohn: Drohn 1-2 Monate
Königin: ca. 14 Monate


 
 

Überwinternde Hornissen-Königin (Fotos: Gregor Tymann, 28.03.2015, Gladbeck (Brauck, Halde), xxl-Fotos per Fotoklick)

Feinde:
Der grösste Feind der Hornissen ist der Mensch, der nicht nur ihren natürlichen Lebensraum zerstört, sondern durch Unwissen, Unvernunft, Aberglauben und nicht selten blosser Mutwilligkeit die Tiere vergiftet, vergast, verbrennt oder ihre Nester zerstört.

Als tierischer Schädling kann die Hummelnestmotte (Aphomia sociella) auftreten, deren Larven mit ihren Gespinsten die Waben überdecken und darunter die wehrlose Brut auffressen. Obwohl Hornissen recht starke Mandibeln haben, scheinen sie gegen diese Untermieter keine wirkliche Abwehr zu haben. Oft verlassen sie dann ein solchermassen besetztes Nest und fertigen andernorts eiligst einen neuen Bau an.

Hornissenschutz:
Gemäß § 10 (2) Nr. 11 c) des Bundesnaturschutzgesetzes (BnatSchG) vom 25.03.05 zuletzt geändert am 08.04.08 und der Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung vom 24.02.2005 gehören die Hornisse (Vespa crabro) und alle heimischen Wildbienenarten zu den besonders geschützten Arten. Nach § 42(1) Nr. 1 BnatSchG ist es generell verboten, diese in irgendeiner Weise der Natur zu entnehmen.

Wie Sie Hornissen unterstützen können erfahren Sie u. a. bei den unten aufgeführten Internetseiten - eine Anleitung zum Bau eines Hornissen-Nistkastens finden Sie aber auch hier!

Nahrung
Vor allem Baum- und Pflanzensäfte (Kohlehydrate) sind die hauptsächliche Nahrung erwachsener Tiere. Dazu nagen sie die Rinde der Äste an. Bevorzugt werden dabei Esche, Flieder, Birke, Eiche und Weide. Gesunden Bäumen schadet (entgegen der Volksmeinung) dieses sogenannte 'Ringeln' im Normalfall überhaupt nicht.
Im Herbst naschen Hornissen auch gerne an Fallobst.

 
 

Hornissen an Fallobst (Fotos: Mailin Herbst, 11.10.2014, Seelscheid, xxl-Fotos per Fotoklick)

Ihre Brut wird mit den verschiedensten Insekten gefüttert, wobei von denen zumeist nur der Brustteil, der wohl am meisten Eiweiss besitzt, zu einem Speiseklumpen verarbeitet wird.
Das Beutespektrum umfasst im Spätsommer, wenn die Völker ihren Höhepunkt erreichen, vermehrt - je nach Verfügbarkeit - Honigbienen. Diese werden von Blüten aber auch vor den Bienenkästen gejagt oder es werden altersschwache, kränkliche vom Flugbrett genommen. Auf Abwehr eingestellte Fluglochwächter werden dagegen selten gefangen (WOYDAK 2006). Aber auch Fliegen und je nach Angebot Wespen, Käfer, Spinnen, Heuschrecken, Raupen und Falter werden gejagt - einfach alles was bei der Jagd erbeutet werden kann. Der Autor dieses Artenprofils konnte zahlreiche Jagdversuche von Hornissen beobachten. Dabei war festzustellen, dass bei den recht fluggewandten Tagfaltern nur eine sehr geringe Jagderfolgsquote festgestellt werden konnte. Da Hornissen jedoch auch während der Nacht jagen, werden relativ häufig Nachtfalter mit ihren wesentlich schwerfälligeren Flugbewegungen zur eiweissreichen Beute.



Video von Hornissen am Nest und bei der Nahrungsaufnahme (Film © Reinhard Weidlich - www.feuersalamander-dvd.de)
Start des Videos per Klick auf das Bild!

Pro Tag können bei mittlerer Volksstärke bis zu 500 Gramm Insekten erbeutet werden!
Hornissen jagen auch nachts, da sie sich selbst bei einer Lichtstärke von lediglich 0,01 Lux noch orientieren können. Für den Menschen bedeutet dies fast völlige Dunkelheit.

Verbreitung in D
Im ganzen Land verbreitet und stellenweise häufig. 2 Farb-Formen sind innerhalb von Deutschland zu finden. Ausschliesslich im Norden findet sich Vespa crabro ssp. crabro, doch der grösste Teil des Landes wird von Vespa crabro ssp. germana bewohnt. Diese Unterart ist gut an der roten, engen V-Zeichnung auf dem Schulterschild (Mesoscutum) zu erkennen.

Verbreitung in NRW
In NRW ist die Hornisse zerstreut vorhanden aber nicht gerade häufig. Im Sauerland ist sie etwas seltener als im Flachland. Das NRW-Verbreitungsmuster der Art können Sie sich hier unter www.hwoydak.de anschauen!

In letzter Zeit haben sich die Bestände der Hornisse leicht erholt. Der Verbot von hochgiftigen Spritzmitteln wie DDT hat sich offensichtlich positiv auf die Entwicklung der Art ausgewirkt. In Westfalen wird heute schon davon gesprochen, das jeder dritte Bauernhof ein Hornissenvolk beherbergt (WOYDAK 2006).

Benutzte Literatur

BELLMANN, H. (2005): Bienen, Wespen, Ameisen. Kosmos-Naturführer, Franckh-Kosmos Verlag. - Stuttgart. 336 S.

LANDESANSTALT FÜR ÖKOLOGIE, BODENORDNUNG UND FORSTEN NORDRHEIN-WESTFALEN (HRSG.) (2004): Stechimmen in Nordrhein-Westfalen. - Ökologie - Gefährdung - Schutz. LÖBF-Schriftenreihe Bd. 20, 328 S.

SAUER, F. (1992): Bienen, Wespen und Verwandte nach Farbfotos erkannt. Sauers Naturführer. - Nottuln, Fauna-Verlag. 115 S.

WOYDAK, H. (2006): Hymenoptera Aculeata Westfalica. Die Faltenwespen von Nordrhein-Westfalen (Hymenoptera, Vespoidea; Vespidae und Eumenidae) (Soziale Papier- und Lehmwespen). Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde 68. Jahrgang 2006, Heft 1.

Internet: www.vespa-crabro.de


Zur Buchliste weiterer interessanter Hautflügler-Bücher auf www.natur-in-nrw.de

Weitere Informationen zu Wespen (Vespidae) im Internet

www.hymis.eu: Online-Bestimmungsschlüssel der deutschen Vespidae

www.vespa-crabro.de: Unterscheidung sozialer Faltenwespen, Fotos, Infos...

www.aktion-wespenschutz.de: Einleitung Wissenswertes, Wespenarten, Lebenszyklus, Bildergalerie, Wespenschutz, Schutzmaßnahmen, Umsiedlungsaktion usw.

www.hornissenschutz.ch: Das Leben der Hornissen (Lebenszyklus), Anatomie, Feinde, Bruträuber, Mitbewohner, Nachahmer (Mimikry), Verbreitung, Nahrung, Nest, Entwicklung einer Hornisse vom Ei bis zum Vollinsekt, Nisthilfe (Mündener Hornissenkasten), Forschungsergebnisse (Thermodynamik) usw.

www.ammersee-hornissen.de: Die Ammersee-Hornissen 2006: ... Tagebuch eines umgesiedelten Hornissenvolkes mit Videos...


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