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Goldblättriger Hautkopf - Cortinarius aureifolius (PECK 1885) MOSER
Artenprofil von Fredi Kasparek


Systematische Einordnung

Reich: Pilze (Fungi)
Klasse: Ständerpilze (Basidiomycetes)
Ordnung: Blätterpilze (Agaricales)
Familie: Haarschleierlingsartige (Cortinariaceae)
Gattung: Haarschleierlinge (Cortinarius)
Untergattung:Hautköpfe (Dermocybe)

Fotos (© Fredi Kasparek)
MTB 4408/2 Wulfen (Lavesumer Geisheide)


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Besondere Merkmale, Beschreibung der Artmerkmale

Wissenschaftliche Fachbegriffe werden hier im Pilz-ABC erklärt!

Anmerkung: In diversen Pilzbestimmungsbüchern werden Hautköpfe Dermocyben von den meisten Autoren als Untergattung oder Sekt. in der Riesengattung Haarschleierlinge Cortinarius aufgeschlüsselt. In neuerer Zeit stellten Wissenschaftler bei chemischen Untersuchungen fest, dass Hautköpfe Anthrachinonpigmente besitzen, die andere Haarschleierlinge nicht nachweisen. Infolgedessen werden sie nun von einigen Autoren als eigenständige Gattung geführt. Auch die hier vorzustellende Aufs. die seinerzeit als Erstfund für Deutschland galt, zeigte bei dem unten angebotenen Praxistipp eine typische Hautkopf-Reaktion.

Praxistipp: Zur Abgrenzung verschiedener anderer Pilzgattungen kann ein in Ethanol (Brennspiritus) getränktes Pilzstück dienen. Dieses legt man auf weißes saugfähiges Papier und schaut sich dessen Verfärbung an. Wenn sich die Probe rot, gelborange oder selten auch olivgrün verfärbt handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Hautkopf.

Habitus-Habitat: kleiner, rotbrauner Hautkopf, der auf armen, sandigen Böden zwischen Moosen und Flechten mit Kiefern eine Mykorrhiza bildet

Hut: 1-2,5 cm Ø, jung konvex, dann flach gewölbt bis ausgebreitet, manchmal leicht gebuckelt, alt niedergedrückt, orange-, wein-, bis kupferbraun, alt auch purpur- oder schwarzbraun fleckend. Trocken samtig-filzig, dann feinschuppig bis schorfig, später vom Rand her verkahlend. Hutrand alt meistens wellig verformt, nicht gerieft, nicht hygrophan.

Lamellen: jung gold- bis orangebraun, alt rot- oder zimtbraun, jung meistens kurz, alt mäßig weit herablaufend, eher dicklich, normal weit auseinander stehend, mit Lamelletten untermischt; Schneiden gleichfarbig, leicht schartig

Stiel: 1-3 x 0,3-0,5 cm, voll, schwammig, gerade oder schwach verbogen, gleichdick, rau-faserig, Basis hin und wieder etwas verjüngt, Spitze gelblich-orangebraun, zur Basis rotbraun, manche Stiele erscheinen undeutlich gürtelartig gezont

Fleisch: im Hut dünn, wässrig, rötlichbraun, im Stiel etwas stärker rotbraun

Geschmack: mild, pilzig

Geruch: unspezifisch, kaum wahrnehmbar

Sporen: im Präparat Wasser blass gelblich-grün bis gelbbraun; Größe (10) 11-14 (15) x 3,5-4,5 µm; spindelig-boletoid, glatt, mit 1-2 tropfigen Einschlüssen; bei über 1000facher Vergrößerung erscheinen die Sporen rau bis sehr feinwarzig

Sporenpulver: rotbraun

Ökologie, Substrat, Lebensweise
Der in Mitteleuropa nur äußerst selten dokumentierte Goldblättrige Hautkopf wurde nach Literaturangaben bisher ausnahmslos bei Kiefern mit vereinzelten Birken entdeckt. Schwach saure, mager-sandige Böden sagen dieser Art offensichtlich zu. Die hier vorgestellte Kollektion fand der Verfasser in einem heideähnlichen Biotop das mit Kiefern, Birken, Flechten und Moosen bewachsen war. Dieser Fundort fügt sich somit in die wenigen bekannten Substratlisten ein. Umfassende Aufzeichnungen zur Lebensweise dieser Rarität sind mangels weiterer Funde aus Deutschland nicht bekannt. Als sicher gilt, dass der Goldblättrige Hautkopf mit Kiefern eine Mykorrhiza bildet und dabei einzeln aber gesellig, selten auch mit 2-3 Fruchtkörpern zusammengewachsen auftritt.
Begleitpilze die im gleichen Biotop in naher Nachbarschaft des Goldblättrigen Hautkopfes notiert wurden sind der Rosenrote Schmierling (Gomphidius roseus), der Walzenförmige Fälbling (Hebeloma cylindrosporum), der Kuh-Röhrling (Suillus bovinus), die Gelbbraune Wurzeltrüffel (Rhizopogon luteolus = obtextus), das Stachelsporige Graublatt (Lyophyllum tylicolor) und der Trockene Kahlkopf (Psilocybe montana). Sie alle haben ähnliche ökologische Ansprüche wie der Goldblättrige Hautkopf. Interessanterweise besitzen - bis auf die letzten beiden Arten - alle boletoide oder schmal ovale Sporen und sind wertvolle Mykorrhizabildner.

Verwechslungsarten oder nahe Verwandte
Durch seinen nicht besonders typischen Dermocybe-Habitus kann der Goldblättrige Hautkopf u. a. auch mit diversen Arten aus der Untergattung Telamonia = Gürtelfüße/Wasserköpfe verwechselt werden. Einige Dermocyben sehen sehr ähnlich aus. Sie sind oft nur an feinen, voneinander abweichenden Makro- und Mikromerkmalen in Verbindung mit ihren verschiedenen Substrat- und Standortansprüchen zu erkennen. Daher ist eine mikroskopische Untersuchung potentieller Doppelgänger unumgänglich. In der Regel werden erst dann genetisch und morphologisch bedingte Unterschiede der zu bestimmenden Arten sichtbar.


   

Orangerandiger Hautkopf (Cortinarius malicorius, Foto: Fredi Kasparek) (xxl-Foto 1, 2)

Unter den besser bekannten Hautköpfen könnte der Orangerandige Hautkopf (Cortinarius malicorius) farblich am ehesten mit dem Goldblättrigen Hautkopf verwechselt werden. Er kommt jedoch mehr in Fichtenwäldern und dort auf besseren Böden zwischen Moosen und Gräsern vor, und wird mit 4-6 cm bedeutend größer. Seine Lamellen sind im reifen Zustand orangebraun, die Hutmitte meistens tief oliv-braun bis -schwarz, der hellere, gelb-orangene Hutrand sticht dann deutlich ab und wird zusätzlich meistens von faserigen, orangebraunen Velumresten gesäumt.


   

Orangeblättriger Zimthautkopf (Cortinarius cinnamomeus, Foto: Fredi Kasparek) (xxl-Foto 1, 2)

Einer der häufigsten Hautköpfe in unseren Nadelwäldern ist neben dem Orangeblättrigen Zimthautkopf (Cortinarius cinnamomeus) der Safranblättrige Hautkopf (Cortinarius croceus). Beide sind nicht leicht voneinander zu unterscheiden. Vom Goldblättrigen Hautkopf sind sie jedoch durch ihre Größe bis 6 cm Ø, ihren Habitus und die abweichenden Hut- und Lamellenfarben gut zu trennen.
Der Orangeblättrige Zimthautkopf zeigt sich meistens in braunorangenen bis -kastanienbraunen Hutfarben. Seine jung orangefarbenen Lamellen behalten lange diesen Farbton um im Alter braunorange nachzudunkeln. Cortinarius cinnamomeus erscheint bei uns vornehmlich in Fichten- und Kiefernwäldern auf sauren Böden und gehört zu den bekanntesten und verbreitetsten Hautköpfen.


   

Safranblättriger Hautkopf (Cortinarius croceus, Foto: Fredi Kasparek) (xxl-Foto 1, 2)

Der Safranblättrige Hautkopf kann mit mehreren Hautköpfen verwechselt werden. Sein variabler gelb-, rötlich-, bis olivbrauner Hut blasst zum Rand gelblich aus und ist fein radialfaserig. Die Lamellen sind jung dominant gelb bis gelbbraun und später in safranbraun umschlagend. Ein gelbbräunlicher Stiel gegenüber dem braun-rotbraunen des Goldblättrigen Hautkopfes, sowie die bis 6 cm großen Hüte, und die abweichende Biotop- und Substratwahl (Nadel- und Laubwälder, gerne auch in Sumpfmoosen erscheinend) dienen zur weiteren Unterscheidung.
Generell unterscheiden sich diese Hautköpfe durch ihre zitronen- bis mandelförmigen, warzigen Sporen gegenüber den glatten, spindelig-boletoiden des Goldblättrigen Hautkopfes.

Giftigkeit bzw. Speisewert
Unter den Hautköpfen gibt es keine Speisepilze. Sie sind alle giftig und verursachen ± starke gesundheitliche Schäden. Manche Hautköpfe können tödlich wirken. Trotzdem haben Hautköpfe für Pilzliebhaber einen besonderen Reiz. Sie sind nicht nur wegen ihrer farbenfrohen Hüte und Lamellen faszinierend, sondern es macht auch Spaß einen unbekannten Hautkopf der sich seiner Bestimmung hartnäckig widersetzt hat, letztendlich doch noch zu entschlüsseln.

Erscheinungszeitraum
Hautköpfe erscheinen vom Sommer bis zum Spätherbst. Zum Winteranfang lassen die in manchen Jahren üppigen Populationen einiger Arten erheblich nach. Der Goldblättrige Hautkopf wurde vom Verfasser jeweils im November aufgesammelt.

Verbreitung/Häufigkeit in Deutschland
Cortinarius aureifolius wurde in Amerika entdeckt und (1885) von Peck zum ersten Mal beschrieben. Später wurde die Art wahrscheinlich unter einem anderen Epithet Cortinarius psammophilus von J.F. AMMIRATI & A. H. SMITH (Amerika) publiziert. In Europa berichteten der schwediche Autor S. JACOBSSEN und der hervorragende Cortinarienkenner M. MOSER (Österreich) über den bis dato weitestgehend unbekannten Haarschleierling. Seit der Entdeckung vergingen gut 100 Jahre bis der erste Nachweis aus Deutschland vorlag. Weitere Funde sind allerdings bis heute nicht bekannt geworden.

Verbreitung in NRW
Die oben vorgestellte Kollektion entdeckte der Verfasser im November 1996 im MTB 4208/2 Wulfen im Militärischen Sperrgebiet Borkenberge (Platzteil Lavesum). Sie war wahrscheinlich der Erstnachweis für NRW. Im folgendem Jahr stellte sich der Goldblättrige Hautkopf wieder im November am gleichen Standort ein. In den Jahren danach wurden nur noch gelegentlich verkümmerte Populationen beobachtet, die seit 2006 völlig ausblieben, was den Raritätsstatus dieser Art untermauert.

Eingesehene Literatur
AMMIRATI, J. F. & A. H. SMITH (1969): The Michigan Botanist 8: S. 176-179

ARNOLD, N. (1993): Morphologisch-anatomische Untersuchungen an der Untergattung Telamonia (Cortinarius-Agaricales)

BESL, BRESINSKY & KRONAWITTER (1975): Notizen über Vorkommen und systematische Bewertung von Pigmenten in höheren Pilzen (1). Z. Pilzkunde 41, S. 81-88

FINCK, W. (1997): Der Tintling, Die Pilzzeitung, Heft 2. Ein einfacher Test zum Nachweis bestimmter Farbstoffe in Pilzen

JACOBSSEN, S. (1981): Cortinarius aureifolius Peck in Schweden. Göteborgs Svampclubbs Ärsskrift

KASPAREK, F. (1997): Der Tintling, Die Pilzzeitung, Heft 1. Goldblatt gefunden, Gattung gesucht. S. 4-8

SINGER, R. (1965): Die Röhrlinge Teil 1


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Weitere Informationen zu Pilzen (Fungi) im Internet

www.tintling.de: Pilzzeitung (Der Tintling), Wochenkalender, Infos, Fachbeiträge, Fotos, Rezepte, Literatur...

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